Arbeitnehmermarkt: Die Bedeutung für Unternehmen

Wenn Beschäftigte aus verschiedenen Jobangeboten auswählen können und Unternehmen Probleme haben, offene Stellen zu besetzen, spricht man von einem Arbeitnehmermarkt. Was das für Beschäftigte bedeutet und wie sich Unternehmen verhalten sollten, um Arbeitskräfte zu finden, erfahren Sie hier.

Eine Figur blickt aus einer Reihe mit anderen heraus, was ist ein Arbeitnehmermarkt?

Arbeitnehmermarkt: Was bedeutet das?

Über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg lebten Arbeitgeber und Beschäftigte in einem Arbeitgebermarkt. Es gab mehr Fachkräfte, die auf Jobsuche waren, als freie Stellen im Unternehmen.

Seit einiger Zeit wandelt sich dieses Bild aber und spätestens seit der aktuellen Atreus Leadership Studie 2022 wissen wir, dass wir in einem Arbeitnehmermarkt angekommen sind. Es gibt immer weniger gut ausgebildete Fachkräfte und viele der sogenannten Baby Boomer gehen in Rente. Die Folge: Es gibt viele offene Stellen in Unternehmen, die die Arbeitgeber besetzen müssen. Tun sie das nicht, droht ihnen ein Produktivitätsverlust und Umsatzeinbußen.

Wie zeigt sich ein Arbeitnehmermarkt?

Lange Zeit war es vollkommen normal, dass ein Arbeitgeber eine Stellenanzeige postete und in kürzester Zeit eine beachtliche Anzahl von Bewerbungen erhielt. Im Arbeitnehmermarkt haben nun die Beschäftigten die Wahl. In der Regel können sie sich im Bewerbungsprozess gleich zwischen verschiedenen Angeboten entscheiden: Laut einer aktuellen Studie der HR-Beratung Königsteiner Gruppe ziehen fast 35 Prozent der befragten Arbeitnehmer nach dem ersten Vorstellungsgespräch ihre Bewerbung zurück. Weniger als 20 Prozent der Arbeitgeber sagten hingegen einem Kandidaten ab.

Ein Arbeitnehmermarkt ist für Beschäftigte also durchaus positiv. Sofern sie über eine gute Ausbildung und gefragte Qualifikationen verfügen, können sie sich ihren Arbeitgeber aussuchen – das war früher undenkbar.

Auf Englisch bezeichnet man den Arbeitnehmermarkt übrigens als „low unemployment economy“, also als eine Wirtschaft, in der es wenig Arbeitslose gibt.

Arbeitnehmermarkt oder Arbeitgebermarkt?

Als Bewerber darf man nun natürlich nicht den Fehler machen und im Bewerbungsprozess überheblich werden. Zwar stimmt es, dass die Unternehmen auch noch in den nächsten Jahren unter Zugzwang sind, jedoch gilt dies nicht für alle Branchen und Regionen. Folgende Faktoren haben einen Einfluss darauf, wie ausgeprägt der Arbeitnehmermarkt ist:

  1. Branche: In den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen werden in den nächsten Jahren verstärkt Arbeitskräfte gesucht werden. Schon heute ist es beispielsweise für IT-Firmen schwierig, offene Positionen zeitnah zu besetzen. Arbeitnehmer, die in der Pflege arbeiten oder eine handwerkliche Ausbildung haben, dürften ebenfalls keine Probleme haben, schnell einen neuen Job zu finden. Auf der anderen Seite gibt es immer noch Branchen, die sich nicht oder nicht so stark über einen Mangel an Arbeitskräften beklagen. Zu diesen Berufen gehören zum Beispiel Versicherungskaufleute, Verkäufer im Sanitärbetrieb, der Gartenbau, die Forstwirtschaft und die Nutztierhaltung. Auch im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften gibt es in der Regel weniger offene Stellen als Bewerber. Hier kann man also nicht unbedingt von einem Arbeitnehmermarkt sprechen.
  2. Region: Neben der Branche spielt auch der Wohnort eine Rolle. In strukturschwachen Gebieten haben es auch gut ausgebildete Handwerker oder IT-Fachkräfte schwer, einen neuen Job zu finden. Das liegt ganz einfach daran, dass es in diesen Regionen weniger Firmen und damit auch weniger Arbeitsplätze gibt. Hier kann man also noch eher davon sprechen, dass es einen Arbeitgebermarkt gibt. Denn häufig bewerben sich im eher ländlichen Raum mehrere Arbeitnehmer auf eine Position.

Arbeitnehmermarkt hat Vorteile für Beschäftigte

Für Arbeitnehmer ist der Arbeitnehmermarkt ein deutlicher Vorteil. Wer die nötigen Qualifikationen mitbringt und noch dazu in einer strukturstarken Region lebt, für den dürfte es ein Leichtes sein, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Doch mit der vereinfachten Suche allein sind die Vorteile des Arbeitnehmermarkts noch nicht erschöpft. Bewerber sind in einer guten Ausgangsposition und können daher im Bewerbungsgespräch die Konditionen bestmöglich verhandeln: Gehalt, Firmenwagen, Homeoffice, Sabbatical – vieles ist möglich, denn der Arbeitgeber hat kaum eine (Aus-)Wahl. Wer also als Bewerber geschickt vorgeht und seine Fähigkeiten und Qualifikationen gut verkauft, der kann sich darüber freuen, in einem Arbeitnehmermarkt zu leben.

So sollten sich Arbeitnehmer verhalten

Angenommen Sie sind zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und ahnen bereits, dass Sie recht gute Karten haben. Dann sollten Sie sich nicht einzig und allein darauf konzentrieren, ein möglichst hohes Jahresgehalt auszuhandeln.

Gut möglich, dass der potenzielle Arbeitgeber gar nicht in der Lage ist, Ihnen mehr zu zahlen, als er in der Stellenanzeige angeboten hat. Dann sollten Sie das Angebot nicht sofort ablehnen, sondern andere Optionen kennen, die Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber anbieten können. Zu diesen Optionen gehören:

  1. Dienstwagen, Jobticket oder Fahrkostenzuschuss
  2. Zuschüsse zu dem Essen in der Kantine
  3. Zuschüsse zur Gesundheitsfürsorge (beispielsweise Fitnessstudio)
  4. Zuschüsse zu den Kosten für Kinderbetreuung oder gar betriebliche Kinderbetreuung (Betriebskindergarten)
  5. Mitarbeiterrabatte
  6. flexible Arbeitszeiten
  7. betriebliche Altersvorsorge

Das können Arbeitgeber in einem Bewerbermarkt tun

Doch wie müssen sich Arbeitgeber positionieren, um die Probleme, die der Arbeitnehmermarkt mit sich bringt, am besten abzufedern? An folgenden Stellschrauben kann man als Arbeitgeber drehen:

  1. Betriebsklima: Unternehmen, in denen es eine gute Arbeitsatmosphäre gibt, haben eine geringere Personalfluktuation und können sich meist über höhere Produktivität freuen.
  2. Employer Branding: Die Darstellung des Unternehmens spielt außerdem eine Rolle im war for talents, also im Kampf um die begehrten Fachkräfte. In den Bereich Employer Branding gehören unterschiedliche Maßnahmen: Die Option auf Homeoffice und andere flexible Arbeitsmodelle, Sonderzahlungen oder eine offene und wertschätzende Kommunikation mit den Mitarbeitern können Bausteine sein.
  3. Entwicklungsmöglichkeiten: Um Mitarbeiter nicht nur anzuwerben, sondern auch zu halten, sollten Arbeitgeber für interne Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen sorgen. Dazu gehört, dass der Vorgesetzte den Stand der Dinge in regelmäßigen Gesprächen mit den Mitarbeitern evaluiert. Mitarbeiter, die sich gerne weiterentwickeln und in eine höhere Position aufsteigen möchten, sollten diesen Wunsch in dem Gespräch äußern können. So können Mitarbeiter mit dem Unternehmen wachsen und müssen sich nicht anderweitig bewerben.
  4. Work-Life-Balance: Eine ausgeglichene Balance zwischen dem Arbeits- und Berufsleben ist aus vielerlei Gründen wichtig. Arbeitnehmer, die neben der Arbeit genügend Zeit haben, um ihren Hobbys nachzugehen oder sich mit Freunden zu treffen, sind zufriedener. Das wirkt sich auch auf die Arbeitsleistung und vor allem die Bereitschaft aus, längerfristig bei dem Arbeitgeber zu bleiben. Beschäftigte schätzen jedoch nicht nur die Freizeit, die ihnen ihr Arbeitgeber ermöglicht. Arbeitnehmer, die kranke Angehörige pflegen oder kleine Kinder betreuen, sind ebenfalls froh darüber, wenn sich Privat- und Arbeitsleben gut miteinander vereinbaren lassen.

Bildnachweis: ADragan / Shutterstock.com

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