Doppelbelastung: Wenn Familie und Beruf zuviel Zeit einfordern

Noch immer sind Männer, die sich Haushalt und Kindererziehung partnerschaftlich mit ihren Frauen teilen, statistisch gesehen in der Minderheit. Es gibt sie und ihr Anteil wächst, aber den Großteil der „Familienarbeit“ bewältigen nach wie vor die Mütter. Dass sich dieses Bild immer weiter verschiebt, hängt mit der modernen Arbeitswelt zusammen. Denn das Modell der klassischen Rollenverteilung kommt in heutigen Generationen praktisch an seine Grenzen. Junge Familien müssen neue Modelle finden, die Doppelbelastung aus Familie und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Doppelbelastung im Berufsleben entsteht aber auch aus anderen Gründen. In diesem Beitrag betrachten wir die Ursachen, die Auswirkungen und stellen mögliche Lösungen vor.

Eine Frau arbeitet am Laptop und das Kind spielt daneben, eine Doppelbelastung

Familie und Beruf – Doppelbelastung in Zahlen

Die Doppelbelastung von berufstätigen Eltern ist immer wieder Gegenstand von Umfragen und statistischen Erhebungen. Wir haben nachfolgend einige interessante Fakten zusammengefasst.

Noch immer betrachtet es die Gesellschaft als normal, dass Frauen für die Familie auf Karrierewünsche verzichten. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung führte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid zu diesem Thema eine Umfrage durch. 1.029 Männer und Frauen kamen zu Wort. Das sind die Ergebnisse:

  • Jede zweite Frau hat schon einmal zugunsten der Familie Karrierewünsche zurückstellen müssen.
  • Fast 90 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Frauen aufgrund der Doppelbelastung durch Job und Familie benachteiligt werden und eine Chancengleichheit nicht vorhanden ist.
  • Alle Befragten waren gleicher Meinung, was die notwendige Unterstützung durch die Gesellschaft betrifft: Um es Müttern leichter zu machen, ihre Verantwortung für Familie und Beruf gleichermaßen wahrzunehmen, müssen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden.
  • Die Personengruppe im Alter zwischen 50 und 60 Jahren glauben nicht, dass es in Deutschland eine Chancengleichheit für Frauen und Männer gibt. Ganz anders sieht das die jüngere Generation: Umfrageteilnehmer zwischen 16 und 29 sehen keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der beruflichen Möglichkeiten.

Statista.com wollte herausfinden, wie die Vereinbarkeit von Job und Familie erleichtert werden könnte. Auch hierzu gibt es Umfrageergebnisse:

Fast 79 Prozent der Befragten wünschen sich, dass auf die familiären Gegebenheiten mehr Rücksicht genommen werden muss. Rund 73 Prozent finden individuelle Teilzeitmodelle erforderlich. 72 Prozent sprechen sich für kurzfristige Freistellung aus. Auch relevant, aber nur für ca. 45 bis 55 Prozent der Umfrageteilnehmer wirklich wichtig, sind die Kontaktaufnahme während der Elternzeit, Kinderbetreuungseinrichtungen und die Berufsunterstützung seitens des Partners.

Negative Auswirkungen der Doppelbelastung

Einige Frauen und vor allem Mütter fügen sich diesen Gegebenheiten. Sie betrachten es als ihre Aufgabe, stets für die Familie da zu sein. Kindererziehung, Haushalt, Kochen, Wäsche waschen, all das sind nach wie vor in erster Linie Frauenangelegenheiten.

Gleichzeitig möchten jüngere Frauen heute auch im Job ihren Platz finden. Gerade Frauen verbiegen sich also für den Arbeitgeber und für die Familie. Doch ein gehetztes Leben bleibt auf Dauer nicht ohne Folgen.

Die mehrheitlich einseitige Arbeitsverteilung zu Hause, der Druck am Arbeitsplatz und der Versuch, zuverlässig alle Aufgaben zu erfüllen, bleiben selten ohne Folgen. Viele Mütter neigen außerdem dazu, Unpässlichkeiten zu überspielen. Migräne? Da hilft eine Tablette. Gliederschmerzen? Eine wärmende Salbe lindert. Bleierne Müdigkeit? Vielleicht reicht nur eine Tasse Kaffee einfach nicht aus. Irgendwie muss es weitergehen und das geht es auch – bis zu dem Punkt, an dem der Körper nicht mehr mitspielt.

Typische gesundheitliche Beschwerden aufgrund von Doppelbelastung sind:

  • Antriebslosigkeit
  • Depressionen
  • Gefühl von Hilflosigkeit
  • Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Bauchschmerzen ohne Befund
  • Schmerzhaft verspannte Muskeln
  • Kein sexuelles Interesse
  • Unfähigkeit, zur Ruhe zu kommen, ein Gefühl, wie unter Strom zu stehen
  • Konzentrationsprobleme
  • Gedächtnisstörungen
  • Schwindel

Leidet eine Frau eine Zeit lang unter einem oder mehreren dieser Symptome, sollte sie unbedingt ihre Situation überdenken und Hilfe suchen. Früher oder später können sich sonst tiefgreifende Probleme, sowohl im Job als auch familiär, einstellen, die das ganze Leben über den Haufen werden.

An den Folgen können Ehen und ganze Familien zerbrechen. Und für Alleinerziehende ist die Bewältigung der Doppelbelastung natürlich nicht leichter – im Gegenteil. Laut einem Bericht der Zeitschrift „Brigitte“ müssen rund 40 Prozent der Alleinerziehenden Hartz IV beziehen. Aber nur ein Drittel von ihnen ist tatsächlich arbeitslos. Andere arbeiten Teilzeit oder sogar Vollzeit. Auf Unterstützung vom Staat sind die dennoch angewiesen, weil der Lohn nicht ausreicht. Hier kann eigentlich von einer Dreifachbelastung gesprochen werden: Einerseits Haushalt und Kinder, anderseits der Vollzeitjob und zusätzlich die belastende Situation, auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein.

Wie können Doppelbelastungen minimiert oder verhindert werden?

In den letzten 10 Jahren hat sich in Deutschland einiges zugunsten von Familien getan. Zwar lässt sich die per Gesetz geregelte Chancengleichheit von Mann und Frau im Alltag nicht immer verwirklichen, andere Gesetze bieten jedoch eine deutliche Erleichterung: Sowohl das Mutterschutzgesetz als auch das Elternzeitgesetz sind Errungenschaften, von denen junge Familien profitieren können.

Moderne Unternehmen bieten zudem flexible Arbeitszeitgestaltung und nehmen damit Müttern und Vätern eine Last von den Schultern. Sie können ihre Arbeitszeit zum Beispiel an die Zeiten der Kinderbetreuung anpassen und entspannt die Kleinen zur Kita oder Schule bringen und abholen.

Sprechen Sie offen mit Ihrem Arbeitgeber über Ihre Situation, signalisieren Sie, wie sehr Sie die Arbeit in diesem Unternehmen schätzen und fragen Sie nach Unterstützung. Vielleicht können Sie im Homeoffice arbeiten. Auch Jobsharing kann eine gute Alternative sein. Große Unternehmen haben möglicherweise eine betriebsinterne Kinderbetreuung oder können die Kinderbetreuung finanziell unterstützen.

Was Sie selbst tun können, um Doppelbelastungen so gering wie möglich zu halten:

  • Wenn es finanziell realisierbar ist, sollten Sie sich überlegen, die Arbeitszeiten zu minimieren.
  • Organisieren Sie für die Stunden oder Tage, an welchen Sie arbeiten, wenn möglich eine Kinderbetreuung innerhalb der Familie. Vielleicht freut sich die Oma, wenn sie das Enkelchen regelmäßig betreuen darf. Oder hat Ihre Schwester oder Cousine auch kleine Kinder und Sie könnten sich mit der Betreuung abwechseln?
  • Auch im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft können Sie möglicherweise zuverlässige Unterstützung finden.
  • Eine andere bezahlbare Möglichkeit ist eine Tagesmutter, die sich liebevoll um die ihr anvertrauten Kinder kümmert.

Sind die Kinder bereits älter und können auf sich selbst aufpassen, heißt das nicht automatisch, dass die Doppelbelastung dadurch geringer ausfällt: Die Arbeit im Haushalt bleibt, Schularbeiten sind zu kontrollieren, Elterngespräche in der Schule wahrzunehmen. Spannen Sie nach Möglichkeit alle Familienmitglieder ein: Einkaufen, Saubermachen, Wäsche zusammenlegen oder Rasen mähen – diese Aufgaben können größere Kinder durchaus übernehmen.

Doppelbelastung – Unterschiede in Ost und West

Laut Statistik der Deutschen Presse Agentur (dpa) gibt es bei der Rollenverteilung in Deutschland gravierende Unterschiede. Während in Westdeutschland 34 Prozent der Familienväter Alleinverdiener sind, können in Ostdeutschland gerade mal ca. 18 Prozent der Männer die Familie alleine ernähren.

Im Osten Deutschlands besuchen mehr als doppelt so viele Kinder eine Betreuungseinrichtung als im Westen.

Fazit: Es gibt bis heute keine optimale und allgemeingültige Lösung, um eine Doppelbelastung von Familie und Beruf vollständig zu verhindern. Bevor Sie aufgrund ständiger Überforderung krank werden, sollten Sie sich in ihrem engeren Umfeld sowie bei Ihrem Arbeitgeber Unterstützung suchen und auch die staatlich gebotenen Hilfen in Anspruch nehmen.

Bildnachweis: Alliance Images / Shutterstock.com

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