Ehrgeiz ist wichtig – solange er im Rahmen bleibt

Studien im beruflichen Kontext und Befragungen von Arbeitgebern deuten drauf hin, dass Ehrgeiz für den beruflichen Erfolg häufig wichtiger ist als Intelligenz. Das gilt jedoch nur, solange der Ehrgeiz im Rahmen bleibt und nicht in übertriebenen Ehrgeiz und Geltungssucht umschlägt. Erfahren Sie, wo die Grenzen liegen und was Sie den Ehrgeiz kontrollieren können.

Ein Mann steht auf dem Gipfel eines Berges, er hat Ehrgeiz

Definition: Was versteht man unter Ehrgeiz?

Hat eine Person Ehrgeiz, dann verfolgt sie ihre Ziele, Ambitionen oder Wünsche – und zwar konsequent und ausdauernd. Auch Einfluss, Wissen oder Macht können Dinge sein, die ehrgeizige Personen erlangen möchten und für deren Erreichen sie sich ins Zeug legen.

Beim Ehrgeiz geht es oft um immaterielle Dinge, die ein ehrgeiziger Mensch anstrebt. Ein gewisser wirtschaftlicher Erfolg lässt sich vom beruflichen Ehrgeiz allerdings nicht immer klar trennen. Wer eine Führungsposition anstrebt und dieses Ziel ehrgeizig verfolgt, wird mit der neuen Position vermutlich auch mehr Gehalt bekommen. Häufig spielen materielle Vorteile beim Ehrgeiz aber nicht die entscheidende Rolle.

Ehrgeizige Menschen verfolgen ihre Ziele in der Regel aus eigennützigen Gründen, zum Beispiel um ihr Selbstbewusstsein zu verbessern oder sich Ansehen zu verschaffen. Beim Ehrgeiz geht es häufig darum, sich oder anderen Personen etwas zu beweisen. So trainieren ehrgeizige Menschen zum Beispiel darauf hin, irgendwann einen Marathon zu laufen oder in kurzer Zeit eine Fremdsprache zu beherrschen.

Wann ist Ehrgeiz nützlich?

Ein gesundes Maß an Ehrgeiz kann daher in verschiedenen Bereichen nützlich sein. Wer ein bestimmtes Ziel verfolgt und von Natur aus ehrgeizig ist, wird dieses Ziel leichter erreichen. Denn er besitzt den nötigen Eifer, um sein Ziel zu verfolgen, und ist bereit, auch unangenehme Dinge, Ärger und viel Mühe auf sich zu nehmen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ehrgeiz hat viele Facetten und kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Selbst der Ehrgeiz, der vor allem auf den Beruf fokussiert ist, zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen: Es gibt Arbeitnehmer, die es sich zum Ziel gesetzt haben, möglichst schnell Karriere zu machen und in kurzer Zeit in eine leitendende Position zu kommen.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch diejenigen Beschäftigten, die mit ihrem Aufgabengebiet und der Karrierestufe zufrieden sind, die aber trotzdem Ehrgeiz im Beruf zeigen. Bei ihnen äußert dieser sich darin, dass sie möglichst viele Fortbildungen besuchen und sich – wo es nur geht – neues Wissen aneignen.

Arbeitgeber freuen sich über ehrgeizige Mitarbeiter, da sie selbst von deren Eigenmotivation und Durchsetzungskraft profitieren. Wenn sich ehrgeizige Mitarbeiter etwas vorgenommen haben, verfolgen sie dieses Ziel meist so lange, bis sie es erreicht haben.

Ehrgeiz wichtiger als Intelligenz?

Einige Personaler legen großen Wert darauf, wie ehrgeizig ein potenzieller Kandidat ist. Intelligenz, mit Sicherheit auch eine wichtige Eigenschaft für beruflichen Erfolg, ist für sie in puncto Karriere nur ein Faktor von vielen.

Denn der neue Mitarbeiter kann noch so intelligent sein: Wenn ihm der nötige Biss fehlt, der richtige Ehrgeiz, dann wird dieser vermutlich nicht so erfolgreich sein wie die weniger intelligenten, dafür aber ehrgeizigen Kollegen.

Das bestätigt auch eine Umfrage bei Heidrick & Struggles, einer der größten Personalberatungen weltweit. Die befragten Personalverantwortlichen und Führungskräfte gaben dabei an, dass sie Ehrgeiz und gute Kontakte innerhalb der Branche besser bewerten als eine bestimmte Ausbildung oder einen besonders hohen IQ.

Mit anderen Worten: Für die eigene Karriere und private Ziele ist gesunder Ehrgeiz sicherlich zuträglich. Doch Ehrgeiz hat nicht nur positive Seiten. Wenn er ausartet und sich zu übertriebenem Ehrgeiz entwickelt, nehmen die negativen Folgen die Überhand.

Übertriebener Ehrgeiz hat Folgen – nicht nur gute

Falscher Ehrgeiz kann krank machen. Wenn es beruflich oder privat nur noch darum geht, die eigene Eitelkeit zu befriedigen, ist Vorsicht geboten. Bis zu einem gewissen Grad kann Ehrgeiz gesund sein und anspornen. Er kann dabei helfen, sogar hochgesteckte Ziele zu erreichen.

Schlägt Ehrgeiz aber in Geltungssucht um, hat Ehrgeiz schnell mehr Nachteile als Vorteile. Personen, die von dieser Form des übertriebenen Ehrgeizes gepackt sind, verlieren oft ihre Mitmenschen aus den Augen. Krankhaft ehrgeizige Menschen möchten immer höher, schneller und weiter. Was mit den Kollegen und den Personen aus ihrem privaten Umfeld geschieht, rückt für sie in den Hintergrund.

Spätestens wenn der ehemals gesunde Ehrgeiz in Verbissenheit umschlägt, ist es an der Zeit, etwas zu ändern. Denn leider ist die Gleichung „mehr Ehrgeiz = mehr Erfolg“ nicht automatisch korrekt. Im Gegenteil: Krankhafter und übertriebener Ehrgeiz kann für die eigene Karriere genauso schädlich oder sogar schädlicher sein wie fehlender Ehrgeiz oder Antrieb.

So zeigt sich falscher Ehrgeiz

Im Job kann sich übertriebener Ehrgeiz zum Beispiel darin zeigen, dass es für andere Mitarbeiter schwierig wird, mit dem überehrgeizigen Kollegen zusammenzuarbeiten. Es geht diesem kaum darum, im Team etwas zu erreichen. Der Kollege, der unter krankhaftem Ehrgeiz leidet, versucht stattdessen, aus der Masse herauszustechen, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken und seine Kollegen zu übertreffen. Das Arbeitsergebnis selbst ist von sekundärem Interesse.

Das hat nicht nur einen Einfluss auf die übrigen Mitarbeiter im Team, auch der krankhaft ehrgeizige Kollege tut sich mit diesem Verhalten keinen Gefallen. Heutzutage, wo Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und andere Soft Skills immer wichtiger werden, schießt sich ein überehrgeiziger Kollege schnell ins Aus. Außerdem sehen Vorgesetzte es nicht gern, wenn das Betriebsklima leidet, nur weil ein Mitarbeiter sein Ego pushen möchte. Übertriebener Ehrgeiz kann daher dazu führen, dass die geplante Karriere zu einem vorzeitigen Halt kommt.

Übermäßiger Ehrgeiz kann außerdem wirklich krank machen. Personen, die verbissen ein bestimmtes Ziel verfolgen, können nicht ruhen und entspannen, bis sie dieses Ziel erreicht haben. Sie gönnen sich keine Auszeit, sondern treiben sich immer weiter an.

Sie ignorieren es, wenn Familienmitglieder, Freunde und der eigene Körper ihnen sagen, dass es Zeit für eine Pause ist. Es können sich Erschöpfungssymptome wie Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden oder Schlafprobleme einstellen. Diese Symptome sind langfristig schlecht für die Gesundheit und haben noch einen weiteren Nachteil: Wer erschöpft ist, aber trotzdem ein ambitioniertes Ziel verfolgt, muss effektiv noch härter für dieses Ziel arbeiten. Er kämpft nicht nur dafür, das hoch gesteckte Ziel zu erreichen, sondern muss zusätzlich die eigene Müdigkeit, Unkonzentriertheit und Fehleranfälligkeit überwinden.

Eine echte Herkulesaufgabe, die in völliger Erschöpfung und Niedergeschlagenheit, also einem handfesten Burnout enden kann.

Wie kann man übertriebenen Ehrgeiz bremsen?

Ehrgeizige Menschen sollten ehrlich zu sich selbst sein und sich davor schützen, übertriebenen Ehrgeiz zu entwickeln. Das kann gelingen, indem man zum Beispiel folgende Tipps berücksichtigt:

  1. Selbstbild überdenken: Einige Menschen entwickeln einen gefährlichen Ehrgeiz, weil sie sich hauptsächlichen über ihren Erfolg im Beruf definieren. Aber auch außerhalb des Jobs hat das Leben viel zu bieten. Personen, die wieder zu einem gesunden Ehrgeiz zurückfinden möchten, sollten daher zunächst ihr Selbstbild reflektieren und vielleicht daran arbeiten. Ein Schritt in diese Richtung: Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Freunde und Familie Sie auch dann schätzen und lieben, wenn Sie nicht jedes Jahr die im Mitarbeitergespräch vereinbarten Zahlen übertreffen. Im Gegenteil: Vielleicht freut sich Ihre Familie sogar mehr darüber, wenn Sie mehr Zeit zu Hause verbringen, anstatt Überstunden für den beruflichen Erfolg einzulegen.
  2. Fehler akzeptieren: Manche übertreiben es mit dem Ehrgeiz, weil sie zu hohe Ansprüche an die eigene Arbeit und Leistung stellen. Der übertriebene Ehrgeiz hängt in diesen Fällen häufig mit Perfektionismus zusammen. Und auch diese Eigenschaft ist nicht so einfach abzustellen. Manchmal – wenn der Perfektionismus sich noch im Rahmen hält – kann es helfen, gezielt kleinere Fehler zu akzeptieren. Machen Sie sich klar, dass Fehler zum Leben dazu gehören und es keinen Menschen gibt, der keine Fehler macht. Sie müssen also nicht bei jeder noch so kleinen Aufgabe 100 Prozent Leistung abliefern. Üben können Sie das, indem Sie beispielsweise hin und wieder absichtlich einige Minuten zu spät zu einem privaten Treffen erscheinen. Vermutlich werden Sie schnell merken, dass man Ihnen das nicht so übelnimmt, wie Sie gedacht haben.
  3. Erfolg annehmen: Falscher Ehrgeiz kann auch darin begründet sein, dass man seine Erfolge nicht anerkennen oder genügend würdigen kann. Wer niemals das Gefühl hat, dass eine Aufgabe richtig gut gelungen ist, wird immer weiterarbeiten und das Ergebnis zu optimieren versuchen. In vielen Fällen ist das aber gar nicht möglich oder bringt zumindest nicht so viel, wie man sich vielleicht erhofft hat. Das Ergebnis: Frustration darüber, dass die Aufgabe weiterhin nicht perfekt ist, was den Ehrgeiz zusätzlich ankurbelt. Sich selbst zu loben, kann in diesen Fällen helfen. Wenn Kollegen und sogar der Vorgesetzte zu dem Schluss kommen, dass der Arbeitsauftrag gut gelungen ist, müssen Sie lernen, sich damit zufriedenzugeben. Sie müssen lernen, Lob von anderen ernst zu nehmen und zu akzeptieren. Sollte Sie in Zukunft ein Kollege oder eine Führungskraft loben, wiederholen Sie dieses Lob für sich einige Male im Stillen. Gehen Sie an den Schreibtisch zurück und sagen Sie sich innerlich, dass Sie Ihre Aufgabe toll gemeistert haben. Je öfter Sie das tun, umso leichter können Sie in Zukunft Lob akzeptieren – auch für Arbeitsergebnisse, mit denen Sie nicht komplett zufrieden sind. Nach und nach können Sie auf diese Weise übertriebenen Ehrgeiz ablegen und zu gesundem Ehrgeiz finden.

Bildnachweis: Ivan Marjanovic / Shutterstock.com

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