Gerüchteküche: Warum Sie sich an Klatsch und Tratsch nicht beteiligen sollten

Menschen sind soziale Wesen. Zur eigenen Lebenswelt gehört man nicht allein, sondern auch die Menschen um einen herum spielen darin eine Rolle. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir uns auch über andere austauschen. Besonders Gerüchte üben auf viele Menschen einen großen Reiz aus, und sie beteiligen sich bereitwillig an der Gerüchteküche. Im Beruf ist das nicht anders. Dabei spricht viel dafür, sich am Klatsch und Tratsch der Kollegen nicht zu beteiligen. Hier erfahren Sie, warum Gerüchte nicht immer harmlos sind und was Sie tun können, wenn Sie selbst zur Zielscheibe von Lästereien geworden sind.

Ein Mann flüstert einer Frau ein Teil der Gerüchteküche ins Ohr

Was sind Gerüchte?

„Hast du schon gehört? Andrea bewirbt sich anscheinend auf den Chefposten.“ – „Ach nee! Also doch! Dabei hat die doch überhaupt keine Ahnung davon, wie man andere führt.“ – „Tja, es lohnt sich eben, sich beim Geschäftsführer einzuschleimen…“ So oder so ähnlich klingt es, wenn Gerüchte verbreitet werden. Und das ist keine Seltenheit, denn in vielen Unterhaltungen sprechen wir über andere Menschen. Nicht immer wissen wir sicher, dass das, was wir erzählen, der Wahrheit entspricht. Dann handelt es sich um Gerüchte.

Gerüchte sind ungesicherte Fakten. Wer Gerüchte verbreitet, gibt Dinge weiter, deren Wahrheitsgehalt er nicht kennt. Mitunter geschieht in einer Art und Weise, in der die angeblichen Tatsachen als gesicherte Fakten verkauft werden.

Es ist typisch für Gerüchte, dass sie von Dritten ausgetauscht werden. Oft weiß die Person, um die es geht, nicht, dass über sie gesprochen wird. Werden Gerüchte verbreitet, handelt es sich schnell um Lästern. Über andere Menschen wird dann abfällig gesprochen. Es kommt allerdings auch vor, dass Gerüchte wohlwollend geäußert werden, ebenso können sich Gerüchte auch auf positive Entwicklungen beziehen.

Der Reiz von Klatsch und Tratsch

Der Wunsch, sich über andere auszutauschen, ist in vielen Menschen tief verankert. Der Reiz von Klatsch und Tratsch ist ein evolutionäres Erbe: Über andere zu sprechen schweißt die Gruppe zusammen und grenzt sie gegen mögliche Feinde ab. Das schafft ein Wir-Gefühl und sorgt dafür, dass die Mitglieder einer Gruppe bei aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden sind.

Wer klatscht und tratscht, versucht nicht selten, sich damit gegenüber anderen aufzuwerten. Das Weitererzählen von Gerüchten kann auch geschehen, um sich selbst interessanter für andere Menschen zu machen – als Quelle spannender Geschichten über die eigenen Mitmenschen. Nicht zuletzt empfinden viele Menschen Lästereien als spannend und tauschen deshalb bei vielen Gelegenheiten Gerüchte aus.

Der schmale Grat zwischen Lästern und Mobbing

Wer über andere lästert, fühlt sich dabei häufig gut. Ganz anders geht es denen, über die Gerüchte ausgetauscht werden. Für sie ist die Gerüchteküche oft nur schwer zu ertragen. Wenn man etwa weiß, dass die Kollegen hinter dem Rücken über einen sprechen, kann das dazu führen, dass man nicht mehr gerne zur Arbeit geht. Sogar zu einer Eigenkündigung kann es kommen, wenn die Situation lange anhält und keine Besserung in Sicht ist.

Wenn ein Mitarbeiter kündigt, über den gelästert wurde, kann das auch das Resultat von Mobbing sein. Auch beim Mobbing geht es darum, Gerüchte über andere zu verbreiten. Während Klatsch und Tratsch nicht aus böser Absicht geschehen muss, ist das beim Mobbing anders. Hierbei geht es darum, einer bestimmten Person zu schaden, sie aus dem Team zu ekeln oder sie in ihrer Karriere zu behindern. Wer andere mobbt, bringt oft ganz gezielt falsche Tatsachen in die Welt, um ihrem Ruf zu schaden.

Mobbing kann auch vom Chef ausgehen. In diesem Fall spricht man auch von Bossing. Bossing ist für Betroffene oft besonders schwer zu ertragen, weil sie sich den Attacken des Chefs schutzlos ausgeliefert fühlen. Das Hierarchiegefälle sorgt in solchen Fällen häufig dafür, dass die Opfer von Bossing sich nicht dagegen wehren – in der Regel aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Warum Sie sich nicht am Flurfunk beteiligen sollten

Viele Menschen können scheinbar gar nicht anders: Wenn es um andere Menschen geht, werden sie hellhörig. Klatsch und Tratsch übt auf viele eine nahezu unwiderstehliche Wirkung aus. Das gilt nicht nur, wenn es um Menschen geht, die man persönlich kennt. Die vielen Illustrierten der Regenbogenpresse zeigen eindrücklich, wie groß das Interesse an Gerüchten ist – selbst dann, wenn man weiß, dass diese wahrscheinlich gar nicht zutreffen.

Auch an der Arbeit bleibt Klatsch und Tratsch nicht aus. Ob Sie sich daran beteiligen, sollten Sie sich allerdings gut überlegen. Es gibt viele Argumente, die gegen Lästereien mit Kollegen sprechen. Egal, mit welchen Intentionen Sie an entsprechende Unterhaltungen herangehen: Die Gefahr besteht, dass Sie selbst Gerüchte verbreiten, die gar nicht stimmen.

Gerüchte, die einmal in der Welt sind, lassen sich kaum zurückholen. Selbst, wenn sich später herausstellt, dass die Lage doch anders ist als gedacht, bleibt womöglich etwas Negatives hängen. Das schädigt die Personen, um die es in der Gerüchteküche geht.

Das Ziel von Lästereien zu sein ist für Betroffene häufig sehr belastend. Ihre eigene kurze Freude am Austausch von vermeintlichen Tatsachen steht womöglich in keinem Verhältnis zum Leid, das Sie damit verursachen können. Indem Sie über andere tuscheln, können Sie dafür sorgen, dass diese sich unwohl fühlen, nicht mehr gerne arbeiten und schlimmstenfalls auch noch in ihrer Freizeit unter den Gerüchten über sie leiden.

Lästereien als Hindernis für die Karriere

Es wirkt auch nicht gerade vertrauenserweckend, wenn Sie als Person bekannt sind, die ständig über andere herzieht. Ihre Beziehungen zu Kollegen können dadurch belastet sein, schließlich wissen die anderen nicht, ob Sie nicht hinter ihrem Rücken auch über sie lästern. Bedenken Sie auch, dass Lästern für eine Verschlechterung des Betriebsklimas sorgen kann. Darunter leiden im Endeffekt alle Mitarbeiter – und es schadet dem Arbeitgeber.

Sich rege an der Gerüchteküche zu beteiligen ist außerdem ein Hindernis für Ihr berufliches Fortkommen. Von angehenden Führungskräften wird erwartet, dass sie über solchen Dingen stehen. Wer als jemand auffällt, der häufig über andere tratscht, wird womöglich als nicht geeignet für eine Position mit Leitungsfunktion eingestuft.

Gerüchte zu verbreiten kann nicht zuletzt unmittelbare Konsequenzen für Sie haben – arbeitsrechtlich oder sogar strafrechtlich. Wenn Sie durch Ihr Verhalten den Betriebsfrieden stören, kann das eine Abmahnung nach sich ziehen. In besonders schweren Fällen ist sogar eine Kündigung denkbar. Handelt es sich bei Ihren Lästereien um Verleumdung oder üble Nachrede, können diese juristische Folgen haben.

Wie Sie mit der Gerüchteküche im Job umgehen können

Dass an der Arbeit über andere getratscht wird, ist völlig normal – das heißt aber nicht, dass Sie sich rege daran beteiligen sollten. Was kann man also tun, wenn man mitbekommt, wie Kollegen über andere lästern? Zunächst einmal: Nicht jedes Gerücht kann Schaden anrichten. Wenn Nachrichten über andere ausgetauscht werden, muss das nichts Negatives sein. Erzählt Ihnen ein Kollege etwa, dass ein anderer Kollege geheiratet hat, ist das harmlos.

Andere Gerüchte haben hingegen das Potenzial, großen Schaden anzurichten. Wenn Sie mitbekommen, dass entsprechende Neuigkeiten ausgetauscht werden, müssen Sie das nicht hinnehmen. Sie können deutlich machen, dass Sie sich am Klatsch und Tratsch nicht beteiligen möchten oder darauf hinweisen, dass man gar nicht weiß, wie die Situation tatsächlich ist. Es kann allerdings kontraproduktiv sein, anderen Vorhaltungen zu machen. Wer sich vor den Kopf gestoßen fühlt, lästert danach womöglich über Sie. Einsicht erreichen Sie auf diesem Weg wahrscheinlich nicht.

Wenn Sie das Lästern nicht direkt kommentieren möchten, können Sie auch kurz angebunden reagieren, das Thema wechseln oder das Gespräch beenden. Natürlich sollten Sie auch nicht Ihrerseits Gerüchte in die Welt setzen oder über andere lästern. Es ist oft besser, sich mit unbeteiligten Dritten über Dinge auszutauschen, die Sie rund um Ihren Job beschäftigen. Sprechen Sie also lieber mit Freunden oder Ihrem Partner über das Verhalten einer bestimmten Kollegin, statt es zum Thema beim Mittagessen mit Kollegen zu machen.

Andere lästern über mich: Wie reagieren?

Was kann man tun, wenn man merkt, dass andere über einen lästern? Grundsätzlich haben Sie mehrere Optionen: Sie können die Gerüchte ignorieren, die Kollegen zur Rede stellen oder Ihrem Vorgesetzten davon erzählen. Welche Variante am meisten Sinn macht, hängt von Ihrer spezifischen Situation ab.

In manchen Fällen kann es die beste Lösung sein, Gerüchte einfach an sich abprallen zu lassen. Das ist am ehesten der Fall, wenn die Gerüchte harmlos sind und nicht wahrscheinlich ist, dass man auch künftig über Sie redet.

In anderen Fällen ist Ignorieren keine Option. Wenn Ihnen die Gerüchte schaden, weil beispielsweise Ihr Ruf darunter leidet, sollten Sie etwas gegen die Gerüchteküche tun. Sie können diejenigen, die Gerüchte über Sie verbreiten, zur Rede stellen. Dabei sollten Sie auf einen ruhigen Ton achten. Zeigen Sie anderen nicht, wie sehr Sie von ihren Lästereien getroffen sind. Appellieren Sie lieber an ihr Gewissen.

Wann es Zeit ist, zum Chef zu gehen

Bei manchen Menschen hilft es, darauf zu verweisen, dass ihre Worte Folgen haben. Nicht jedem ist klar, wie sehr seine Lästereien andere treffen. Andere Menschen würden sich davon wohl eher angetrieben fühlen, weiterzumachen. Wer Ihnen schaden möchte, fühlt sich bestärkt, wenn er hört, dass er damit Erfolg hat.

Wenn Sie das direkte Gespräch scheuen oder nicht glauben, dass Sie die Situation dadurch verbessern können, haben Sie noch eine Option: Sie können bestimmte Gerüchte selbst klarstellen. Sie können etwa anderen Kollegen scheinbar beiläufig Ihre Version der Geschichte darlegen. Dabei kann es sinnvoll sein, gar nicht direkt auf das Gerücht zu sprechen zu kommen. Ihre Version kann glaubwürdiger wirken, wenn andere glauben, dass Sie von den Gerüchten über Sie gar nichts wissen.

Wenn die Gerüchte über Sie Sie sehr belasten, kann es angezeigt sein, den Vorgesetzten einzuweihen. Er hat seinen Beschäftigten gegenüber eine Fürsorgepflicht und sollte der Sache nachgehen. Wenn es Probleme mit dem Chef selbst gibt, können Sie sich alternativ auch an einen höherrangigen Vorgesetzten oder den Betriebsrat wenden.

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