Langweiliges Leben: Gründe und was Sie dagegen tun können

„Mir ist langweilig!“ Wer Kinder hat, wird diesen Satz wohl schon öfter gehört haben. Doch auch Erwachsene langweilen sich. Einige haben sogar das Gefühl, ein langweiliges Leben zu führen. Woher dieses Gefühl kommen und was dagegen helfen kann, verraten wir jetzt.

Ein Mann sitzt auf dem Sofa, er hat ein langweiliges Leben

Definition Langeweile: Was ist das überhaupt?

Beim Arzt im Wartezimmer, in einer scheinbar nicht enden wollenden Schlange am Bahnsteig oder einfach allein zuhause auf dem Sofa: Langeweile ist etwas völlig Normales und gehört zu jedem Leben dazu.

Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, was Langweile überhaupt genau ist? In der Wissenschaft gibt es einige Definitionen dieses Gefühls. Eine der bekannteren stammt von dem Professor für Psychologie Dr. John Eastwood und lautet folgendermaßen: „Langeweile ist das unangenehme Gefühl, eine zufriedenstellende Aktivität ausführen zu wollen, aber nicht zu können.”

Langeweile hat damit mindestens zwei verschiedene Aspekte:

  1. Wir langweilen uns, weil wir gerne etwas Spannendes unternehmen möchten, es in diesem Moment aber gerade nicht können. Die Aussicht auf eine viel interessantere Tätigkeit verstärkt die Langeweile noch zusätzlich. Wer schon einmal eine scheinbar nicht enden wollende Präsentation oder Vorlesung mit anhören musste, kennt dieses Gefühl.
  2. Wir können uns aber auch langweilen, wenn wir nicht nur passiv zuhören, sondern aktiv etwas tun. Auch in diesem Fall entsteht die Langeweile durch den Kontrast. Seine Steuererklärung auszufüllen und Belege zu suchen, ist durchaus eine aktive Beschäftigung. Das heißt aber nicht, dass wir in dieser Zeit nicht auch etwas tun könnten, was uns mehr interessiert: Zum Sport gehen zum Beispiel oder die neue Lieblingsserie schauen.

Gelangweilt vom Leben? Dahinter könnte ein Problem stecken

Langeweile kommt also immer mal wieder vor und das hat einen Grund: Was uns zu Beginn spannend verkommt, wird – wenn wir es in hoher Frequenz konsumieren – irgendwann langweilig. Wir brauchen die Langweile also, um außergewöhnliche Ereignisse als solche wahrnehmen zu können.

Der langweilige Vortrag ist irgendwann zu Ende und wir können uns unserem Hobby widmen. Was natürlich nicht heißt, dass wir uns am nächsten Tag beim Warten auf die Bahn nicht wieder langweilen könnten. Wichtig ist jedoch, dass es immer wieder Ausbrüche aus dem tristen Alltag gibt.

Diese Abwechslungen führen dazu, dass wir eben kein langweiliges Leben führen, sondern unseren Alltag als routiniert bezeichnen können. Es ist ganz normal, dass der Job nicht jeden Tag eine Menge Spaß macht. Wichtig ist jedoch, dass es hin und wieder Highlights gibt, die uns aus dem sogenannten state boredom, also dem Zustand der Langeweile, herausholen.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Personen, die mit chronischer Langeweile zu kämpfen haben. Bei ihnen ist die Langeweile kein vorübergehender Zustand, sondern gehört zu ihrer Persönlichkeit dazu. In der Forschung nennt man das trait boredom. Diese Personen haben in vielen Fällen das Gefühl, ein langweiliges Leben zu führen.

Mein Leben ist langweilig: Individuelle Gründe sind dafür verantwortlich

Ob sich jemand schnell langweilt oder sich eher längerfristig mit alltäglichen Situationen zufriedengibt, hängt also von der individuellen Persönlichkeit ab. Trotzdem haben Forscher einige Hinweise gefunden, wann Personen eher dazu tendieren, vom Leben gelangweilt zu sein.

Folgende Aspekte scheinen eine Rolle dabei zu spielen, ob man das eigene Leben als langweilig empfindet oder sich generell schnell langweilt:

  1. Gewohnheitseffekt: Personen, die sich schnell an neue Situationen gewöhnen, scheinen eine größere Neigung zur Langeweile zu haben. Wer zweimal mit dem Fallschirm springt und es schon beim zweiten Sprung als nicht mehr wirklich nervenaufreibend wahrnimmt, scheint sich auch in anderen Situationen schneller zu langweilen.
  2. Konzentrationsprobleme: Die Forschung scheint einen deutlichen Zusammenhang zwischen ADHS und Langeweile gefunden zu haben: Wer sich schlecht auf eine Sache konzentrieren kann und sich regelmäßig ablenken lässt, scheint sich schneller zu langweilen.
  3. Strukturiertheit: Nicht nur Konzentrationsmangel, sondern auch fehlende Struktur begünstigt Langeweile. Wer ständig zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten hin und her springt, widmet sich eben nicht voll und ganz nur einer Sache. Damit besteht auch die Gefahr, dass man die jeweiligen Tätigkeiten gar nicht in Gänze wahrnimmt, also vielleicht gar nicht merkt, wie spannend und inspirierend sie sein kann. Stattdessen lassen wir uns dabei ablenken und planen im Kopf schon die nächste Aktivität.

Langweiliges Leben mit 30: Gar nicht so selten

Darüber hinaus kann auch das Lebensalter eine Rolle dabei spielen, ob man das eigene Leben als langweilig empfindet oder nicht. Ein Umbruch in der Biografie zeigt sich meist mit ungefähr 30 Jahren. Die ersten Jahre im Beruf hat man meist hinter sich und vielleicht ist man auch schon längere Zeit mit seinem Partner zusammen.

Im Vergleich zu den wilden Zwanzigern, in denen man viele Dinge zum ersten Mal erlebte, in die erste eigene Wohnung zog, wilde Partys feierte und sich zum ersten Mal mit Versicherungen und Steuern befassen musste, kann das Leben mit 30 schon einmal langweilig anmuten. Doch auch das ist nur eine Frage der Perspektive – und vor allem nur eine punktuelle.

Gelangweilt vom Leben: Das können Sie tun

Langeweile an sich ist also kein Gefühl, gegen das man unbedingt sofort angehen müsste. Im Gegenteil, denn auch aus der Forschung wissen wir, dass aus Langeweile Kreativität entsteht. Psychologen weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, dass sich Kinder hin und wieder langweilen und eben nicht permanent von ihren Eltern bespaßt werden.

Wenn Sie jedoch ständig das Gefühl haben, dass ihr Leben nur noch langweilig ist, und sich erste Anzeichen einer Depression zeigen, ist es an der Zeit, sich professionelle Hilfe zu suchen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Psychotherapeuten über Ihre Empfindungen und was diese in Ihnen auslösen. Das ist der erste Schritt zu einer Besserung.

Sofern Sie jedoch nicht permanent vom Leben gelangweilt sind, können Sie noch selbst aktiv werden und etwas gegen die Eintönigkeit tun, nämlich:

  1. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper: Warum fangen Sie nicht bei Ihrer Ernährung an, wenn Sie ein wenig Abwechslung brauchen? Statt jeden Tag in der Mittagspause Brot oder Fast Food zu essen, könnten Sie von nun an zuhause etwas Gesundes kochen und es sich in der Mittagspause gut gehen lassen. Die Aussicht auf ein leckeres Essen hebt in vielen Fällen die Laune. Und gut für die Gesundheit ist es auch – was sich wiederum positiv auf das Wohlbefinden und die Stimmung auswirkt.
  2. Abwechslung auf dem Weg zur Arbeit: Routine kommt oft mit eingefahrenen Strukturen daher. Statt jeden Morgen denselben Weg zur Arbeit zu fahren, könnten Sie doch einmal etwas daran ändern. Vielleicht ist es eine Option, mal mit dem Rad zu fahren oder Sie steigen eine Haltestelle früher aus und legen einen kurzen Fußmarsch ein? Auch Fahrgemeinschaften mit den Kollegen können eine Alternative sein.
  3. Über den eigenen Schatten springen: Mit Sicherheit gibt es Dinge, die Sie von vornherein ablehnen. Auch hier sollten Sie Ihr Verhalten ändern, um wieder mehr Spannung und Abwechslung in den Alltag zu bringen. Bevor Sie beim nächsten Mal also sofort Nein sagen, geben Sie sich einen Ruck: Denn neue Eindrücke machen das Leben gleich interessanter.

Bildnachweis: Carbonell / Shutterstock.com

Nach oben scrollen