Ausbildungsberuf wechseln: Wenn die Ausbildung doch nicht passt

Wenn Schulabgänger sich für einen Ausbildungsberuf entscheiden, geschieht das auf Basis von begrenzten Informationen. Oft haben die angehenden Lehrlinge keine Vorerfahrungen im jeweiligen Bereich – und nur eine begrenzte Vorstellung davon, was man im jeweiligen Beruf genau macht. So ist es kaum verwunderlich, dass viele Azubis nach einiger Zeit feststellen, dass der gewählte Ausbildungsberuf doch nicht zu ihnen passt.

Unter welchen Voraussetzungen kann man den Ausbildungsberuf wechseln? Muss man nach dem Ausbildungswechsel noch einmal von vorne anfangen? Und was sollte man beachten, wenn man die Ausbildung wechseln möchte? Darum geht es in diesem Artikel.

Eine junge Frau möchte den Ausbildungsberuf wechseln

Mögliche Gründe, den Ausbildungsberuf zu wechseln

Wer einen Ausbildungsvertrag unterschreibt, weiß selten ganz genau, was ihn in den folgenden Jahren erwartet. Sich für einen Ausbildungsberuf zu entscheiden ist letztlich ein Sprung ins kalte Wasser: Ob die Richtung passt, stellt sich meist erst während der Ausbildung heraus.

Nicht wenige Azubis stellen nach einigen Monaten in einer Ausbildung fest, dass sich die Realität mit ihren Erwartungen nicht deckt. Es können die Tätigkeiten sein, die weniger spannend sind als erwartet. Oder Auszubildende realisieren, dass sie die Rahmenbedingungen eines Berufs unattraktiv finden – zum Beispiel die späten Arbeitszeiten als Koch oder der frühe Schichtbeginn in Supermärkten.

Auch gesundheitliche Probleme können dazu führen, dass Azubis die Wahl ihres Berufs überdenken. Nicht jeder kann und möchte etwa permanent schwer körperlich arbeiten. Oder es treten durch die Tätigkeiten während der Ausbildung Beschwerden auf, die so gravierend sind (oder werden könnten), dass es zu riskant wäre, im selben Ausbildungsberuf zu bleiben.

Manchmal hängt der Wunsch nach einem Ausbildungswechsel nur bedingt mit dem gewählten Beruf an sich zusammen. Es kann auch private Gründe geben, die einer Fortsetzung dieser Ausbildung entgegenstehen – zum Beispiel persönliche Probleme wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder ein Umzug der Familie in eine andere Stadt, dem sich der Azubi anschließen muss.

Nach einer gewissen Zeit in einer Berufsausbildung haben Azubis den Beruf besser kennengelernt und können besser abschätzen, welche Möglichkeiten sie darin perspektivisch haben. Das kann dazu führen, dass man feststellt, dass doch ein Studium die bessere Wahl wäre – im selben oder einem anderen Bereich.

Ausbildungswechsel: Diese Vor- und Nachteile sollten Sie kennen

Viele Auszubildende, die über einen Ausbildungswechsel nachdenken, sind unschlüssig: Ist es wirklich eine gute Idee, den Ausbildungsberuf zu wechseln? Oder ist es doch sinnvoller, die Ausbildung durchzuziehen – weil es möglicherweise besser wird, wenn man erstmal richtig arbeitet? Das können Sie letztlich nur selbst beurteilen. Ein Ausbildungswechsel ist jedoch mit bestimmten Vor- und Nachteilen verbunden. Sie zu kennen, kann Ihnen dabei helfen, die richtige Entscheidung über Ihre berufliche Zukunft zu treffen.

Das sind die Vorteile eines Ausbildungswechsels

Die Ausbildung zu wechseln ist dann die beste Option, wenn Sie sich absolut nicht vorstellen können, den gewählten Beruf tatsächlich auszuüben. Angenommen, Sie haben während der Lehre gemerkt, dass Ihnen die Arbeit im jeweiligen Bereich einfach keinen Spaß macht: Welchen Sinn hat es dann, die Sache durchzuziehen? Sie würden wahrscheinlich in einigen Jahren auch nicht glücklicher sein. Dann kann es Ihnen passieren, dass Sie in einem höheren Alter noch einmal von vorne anfangen müssen. Wenn Sie sich jetzt für einen Ausbildungswechsel entscheiden, sparen Sie Zeit und können gleich etwas lernen, was wirklich zukunftsträchtig für Sie ist.

Die Ausbildung zu wechseln ist außerdem oft gar nicht so kompliziert und schwerwiegend wie viele Azubis befürchten. Wenn Sie einen ähnlich gelagerten Beruf ergreifen möchten, können Sie sich Ihre bisherigen Zeiten womöglich sogar anrechnen lassen. Im besten Fall beginnen Sie die neue Ausbildung nicht bei null, sondern bleiben im Zeitplan.

Diese Nachteile können mit einem Ausbildungswechsel verbunden sein

Dass wohl die wenigsten Auszubildenden sich leichtfertig zu einem Ausbildungswechsel entschließen, hängt mit den Nachteilen zusammen, die damit verbunden sein können. Mit einem Ausbildungswechsel ist eine gewisse Unsicherheit über die Zukunft verbunden. Viele Azubis wissen zwar, was sie nicht mehr machen wollen, sind aber nicht sicher, welche Richtung besser passen würde. Die Gefahr besteht, dass der Ausbildungswechsel nicht die gewünschte Wirkung hat – weil man nach einer gewissen Zeit wieder unzufrieden ist.

Wenn Sie Ihre Ausbildung wechseln möchten, kann es Ihnen passieren, dass Sie nicht sofort einen anderen Ausbildungsplatz finden. Dadurch können Phasen des Leerlaufs entstehen, in denen Sie womöglich keine Einkünfte haben, wenn Sie nicht kurzfristig einen Nebenjob finden. Auch Arbeitslosengeld bekommen Sie wahrscheinlich nicht, wenn Sie Ihren Ausbildungsvertrag selbst gekündigt haben.

Nicht zuletzt empfinden es viele Azubis als negativ, Zeit für eine Ausbildung „verschwendet“ zu haben, die sie nicht zu Ende führen. Das ist allerdings nur bedingt ein Nachteil, denn wenn Sie sicher sind, dass die bisherige Richtung nicht die richtige ist, führt an einem Wechsel kaum ein Weg vorbei.

Alternativen zum Ausbildungswechsel

Ein Ausbildungswechsel ist ein gravierender Schritt. In vielen Fällen ist er trotzdem die beste Option – aber Sie sollten sich zumindest über Alternativen informiert haben, bevor Sie Ihren Ausbildungsvertrag kündigen.

Besonders, wenn Sie dem Ende Ihrer Ausbildung schon relativ nahe sind, kann es sinnvoll sein, die Ausbildung noch zu beenden. Das gilt zumindest, wenn Sie grob im selben Bereich bleiben möchten. Vielleicht können Sie im Anschluss eine Weiterbildung machen oder studieren, um sich für die Jobs zu qualifizieren, die Sie später gerne hätten. Sie müssen für die entsprechende Qualifikation zwar auch Zeit investieren, aber womöglich gelingt es Ihnen dadurch am Ende, gleich Jobs zu ergattern, für die eine Ausbildung allein nicht gereicht hätte.

Wenn Sie grundsätzlich mit Ihrer gewählten Richtung zufrieden sind, aber es Probleme im Ausbildungsbetrieb oder der Berufsschule gibt, kann es sich lohnen, mit Ihrem Vorgesetzten zu sprechen. Oft findet sich eine Lösung, so dass ein Ausbildungswechsel nicht mehr nötig ist. Auch die Berufsschule können Sie gegebenenfalls wechseln, falls Sie sich dort nicht wohlfühlen oder wenn andere Gründe dafürsprechen.

Unproblematischer als ein grundlegender Ausbildungswechsel ist meist ein Wechsel des Ausbildungsbetriebs. Auch das kommt natürlich nur infrage, wenn Ihnen die Tätigkeiten Ihrer Ausbildung an sich Spaß machen. Sie können meist direkt weitermachen, ohne Zeit zu verlieren.

Wie kann man den Ausbildungsberuf wechseln?

Wenn Sie den Ausbildungsberuf und damit die Ausbildung wechseln möchten, stellt sich die Frage, wie man den Wechsel am besten angeht. Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Tipps für das beste Vorgehen bei einem Ausbildungswechsel.

Grundlegende Überlegungen: Ist ein Ausbildungswechsel wirklich die beste Option?

Einen Ausbildungswechsel sollten Sie nie übereilen. Treffen Sie insbesondere keine überstürzte Entscheidung, indem Sie mit einer vorschnellen Kündigung Fakten schaffen. Wenn Sie den Schritt am Ende bereuen, stehen Sie sonst schlechter da als vorher. Überlegen Sie sich gut, ob ein Ausbildungswechsel wirklich die beste Option ist und welche Konsequenzen diese Veränderung für Sie haben könnte. Prüfen Sie auch mögliche Alternativen, bevor Sie Ihren Ausbildungsvertrag kündigen.

Welcher Ausbildungsberuf soll es sein?

Wie vielversprechend ein Ausbildungswechsel ist, hängt nicht zuletzt davon ab, was Sie stattdessen machen möchten. Im Idealfall haben Sie bereits einen alternativen Ausbildungsberuf im Hinterkopf, von dem Sie sicher sind, dass er gut zu Ihnen passen würde. Um eine neue Richtung auszuprobieren, kann sich ein Schnupperpraktikum lohnen, wenn Sie es zeitlich einrichten können – zum Beispiel in Ihrem Urlaub. Wenn Ihnen der Beruf auch danach noch gefällt, stehen die Chancen gut, dass es sich lohnt, die Ausbildung zu wechseln.

Eine Überlegung wert ist es, einen Ausbildungsberuf zu wählen, bei dem Sie an die bisherigen Ausbildungsinhalte anknüpfen können. Sie müssen dann meist nicht wieder im ersten Lehrjahr anfangen, sondern können sich die Zeiten anrechnen lassen.

Einen anderen Ausbildungsplatz suchen

Wenn die Entscheidung für einen neuen Ausbildungsberuf steht, gilt es, nach freien Ausbildungsplätzen zu suchen. Das Prozedere kennen Sie ja bereits durch Ihre begonnene erste Ausbildung. Ausbildungsstellen sind auf entsprechenden Portalen im Internet, aber auch auf den Webseiten der Unternehmen ausgeschrieben. Wenn Sie eine Firma besonders interessiert, können Sie auch direkt dort nachfragen, ob eine Ausbildung möglich wäre.

Damit Ihre Chancen auf eine schnelle Zusage für eine neue Ausbildung gut stehen, sollten Sie sich bei der Bewerbung Mühe geben. Schicken Sie unbedingt vollständige Bewerbungsunterlagen – also mindestens Anschreiben, Lebenslauf und Arbeits- und/oder Praktikumszeugnisse – ab.

Ihr Anschreiben sollte individuell sein und Ihre Motivation und Eignung gleichermaßen glaubhaft darlegen. Es ist meist sinnvoll, den geplanten Ausbildungswechsel kurz zu erläutern. Potenzielle Arbeitgeber fragen sich sonst, warum Sie den Ausbildungsberuf wechseln möchten. Verlieren Sie dabei aber keine schlechten Worte über Ihren ehemaligen Ausbildungsbetrieb.

Der Lebenslauf muss übersichtlich sein und sollte nach Möglichkeit einen roten Faden aufweisen. Wichtig ist auch, dass in Ihrer Bewerbung keine Fehler – inhaltlicher oder orthografischer Art – enthalten sind.

Den alten Ausbildungsvertrag kündigen

Warten Sie auf eine Zusage für einen neuen Ausbildungsplatz, bevor Sie Ihren alten Ausbildungsvertrag kündigen. Wenn Sie erst kündigen und dann auf die Suche nach anderen Ausbildungsstellen gehen, kann es Ihnen passieren, dass Sie am Ende ohne jeglichen Ausbildungsplatz dastehen.

Wenn Sie künftig etwas anderes lernen möchten, müssen Sie rechtzeitig kündigen. Die Frist für eine Kündigung durch den Auszubildenden liegt bei vier Wochen. Unter Umständen kann alternativ auch eine fristlose Kündigung gerechtfertigt sein, wenn es einen guten Grund hierfür gibt. Dafür müssen Sie den Ausbildungsbetrieb aber in den meisten Fällen vorher bereits abgemahnt haben.

Wenn Sie schneller aus Ihrem jetzigen Ausbildungsvertrag heraus möchten, können Sie mit dem Arbeitgeber darüber sprechen. Möglicherweise ist er dazu bereit, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen. Dabei brauchen Sie keine Fristen einhalten, sondern können sich darauf einigen, das Ausbildungsverhältnis kurzfristig zu beenden.

Überstunden, Urlaub & Co: Daran sollten Sie noch denken, wenn Sie die Ausbildung wechseln

In den letzten Wochen im alten Ausbildungsbetrieb muss oft noch einiges geregelt werden. Das betrifft besonders häufig Überstunden und restliche Urlaubstage. Entweder, der Ausbildungsbetrieb ermöglicht es Ihnen, mögliche Überstunden durch Freizeitausgleich abzubauen und Urlaubstage noch zu nehmen. Oder Sie müssen beides ausbezahlt bekommen. Bei Urlaub geht das nur, wenn die Urlaubstage nicht mehr genommen werden können.

Denken Sie auch daran, den Vorgesetzten um ein Ausbildungszeugnis zu bitten. Sie brauchen es möglicherweise für Bewerbungen oder als Nachweis. Falls Sie Sorge haben, dass es nicht sonderlich positiv ausfallen könnte, fragen Sie ruhig alternativ nach einem einfachen Zeugnis. Es ist neutral formuliert und enthält keine Beurteilungen.

Bildnachweis: Josep Suria / Shutterstock.com

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