Disziplin: Wie kann man sie trainieren?

Wer diszipliniert ist, erreicht seine Ziele eher. Disziplinierte Menschen bleiben dran, auch wenn sie gerade keine Lust auf etwas haben – weil sie wissen, wofür sie es tun. Disziplin ist deshalb ein wichtiger Faktor für den Erfolg. Sie geht mit Willensstärke und Selbstkontrolle einher. Die gute Nachricht: Jeder Mensch kann lernen, disziplinierter zu sein. Hier erfahren Sie mehr über die Vorteile von Disziplin und finden Tipps, mit denen Sie Ihre Disziplin steigern können.

Ein Junge lernt Disziplin beim Sport

Was ist Disziplin und wie zeigt sie sich?

Der Duden definiert Disziplin als „das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen“. Wer diszipliniert ist, arbeitet also auf ein bestimmtes Ziel hin, ohne sich ablenken oder davon abbringen zu lassen. Somit bestimmt nicht der Zufall darüber, ob das Ziel erreicht wird. Das Erreichen des Ziels ist vielmehr die Konsequenz davon, dass jemand beharrlich an einer Sache dranbleibt.

Disziplinierte Menschen sind häufig zugleich auch pflichtbewusst. Sie lassen sich nicht von Gefühlen wie Unlust oder mangelnder Motivation leiten, sondern machen auch dann weiter, wenn sie eigentlich lieber andere Dinge tun würden.

Wie diszipliniert jemand ist, zeigt sich an vielen Stellen im Alltag. Disziplinierte Menschen ziehen eher durch, was sie sich vorgenommen haben. Sie überwinden etwa ihren inneren Schweinehund und quälen sich aus dem Bett, um vor der Arbeit noch eine Runde joggen zu gehen, statt liegenzubleiben. Oder sie schaffen es, Geld zu sparen, indem sie weniger Kleidung und andere Konsumgüter kaufen. Disziplin kann sich auch zeigen, wenn jemand mit dem Rauchen aufhört oder es schafft, weniger Süßigkeiten zu essen.

Disziplinierten Menschen fällt es leichter, Zeit in Dinge zu stecken, die sich zwar lohnen, die aber unmittelbar keine große Freude bereiten. Sie wissen, dass es nötig ist, um ihr Ziel zu erreichen. Dadurch können sie auch längere Durststrecken eher verkraften als Menschen, die weniger diszipliniert sind.

Warum Disziplin die Grundlage für Erfolg ist

Manchen Menschen scheint das Glück nur so zuzufliegen. Sie erreichen ihre Ziele, haben einen tollen Job, eine glückliche Beziehung, verbuchen Erfolge im Sport oder glänzen in ihren Hobbys. Was sie anfassen, scheint ihnen zu glücken. Das löst nicht selten Neid bei anderen aus, bei denen es gerade weniger gut läuft. Dabei ist es in den meisten Fällen eben keine Frage von Glück, und auch Talent spielt in letzter Konsequenz eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, ob jemand die nötige Disziplin mitbringt, um beharrlich an seinen Zielen zu arbeiten.

Talent und Intelligenz sind ohne Frage wichtige Voraussetzungen für das Erreichen bestimmter Ziele. Für sich genommen sorgen sie aber nicht dafür, dass diese Ziele auch erreicht werden. Angenommen, ein junges Mädchen ist eine talentierte Schwimmerin. Wenn sie besser werden möchte, muss sie regelmäßig trainieren. Talent alleine reicht dafür nicht aus. Oder stellen wir uns einen kleinen Jungen vor, der nachweislich überaus intelligent ist. Seine Intelligenz nützt ihm in der Schule wenig, wenn er nicht gleichzeitig fleißig ist und seine Hausaufgaben macht.

„Übung macht den Meister“ – so lautet ein bekannter Spruch. Auch darin spiegelt sich wider, wie wichtig es ist, an bestimmten Dingen dranzubleiben. Ohne Übung wird man nicht besser, und ohne Beharrlichkeit kommt man beim Erreichen seiner Ziele schnell ins Stocken.

Disziplin hilft dabei, weiterzumachen, wenn man die Motivation (vorübergehend) verloren hat. Sie kann damit ein entscheidendes Instrument sein, um schwierige Phasen zu überbrücken. Ein disziplinierter Mensch lässt sich von Rückschlägen nicht beirren, während ein weniger disziplinierter Mensch womöglich schnell das Handtuch wirft. Damit ist Disziplin ein wesentlicher Erfolgsfaktor, dessen Bedeutung kaum unterschätzt werden kann.

Selbstdisziplin als Erfolgsfaktor: Der Marshmallow-Test

Wie gut sind Kinder dazu in der Lage, ihre Impulse zu kontrollieren? Um die Ausprägung der Selbstdisziplin ging es dem Professor Walter Mischel von der US-amerikanischen Elite-Uni Stanford, als er von den 1960er Jahren eine Studie mit rund 600 Kindern durchführte.

Die vier- bis sechsjährigen Probanden bekamen dabei ein Marshmallow. Sie konnten das Marshmallow entweder sofort essen oder eine Viertelstunde warten. Gelang ihnen das, bekamen sie ein zweites Marshmallow. Die Reaktion der Kinder fiel unterschiedlich aus. Manche aßen das Marshmallow sofort, andere gaben ihrem Impuls erst nach einigen Minuten nach und wieder andere schafften es, auf das zweite Marshmallow zu warten.

Die Wissenschaftler verfolgten die Entwicklung der Studienteilnehmer über mehr als 40 Jahre hinweg. Dabei zeigt sich ein deutliches Bild: Diejenigen, die im Versuch sehr diszipliniert gewesen waren, waren später im Schnitt erfolgreicher im Leben. Sie hatten tendenziell bessere Noten, hatten eher einen Universitätsabschluss, lebten eher in stabilen Beziehungen und konnten sich besser konzentrieren. Außerdem gelang es ihnen besser, mit Stress umgehen, und nahmen seltener Drogen.

Disziplin verbessern: Mit diesen Tipps gelingt es Ihnen

Wie diszipliniert jemand ist, ist einerseits eine Frage seiner Gene. Manche Menschen sind von Natur aus disziplinierter als andere. Andererseits ist die genetische Prädisposition allein nicht ausschlaggebend dafür, wie viel Disziplin jemand aufbringen kann. Wesentlich stärker wiegt, ob man sich im Laufe seines Lebens in Disziplin und Selbstkontrolle geübt hat oder nicht. Das bedeutet, dass sich Disziplin von jedem Menschen trainieren lässt.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Selbstdisziplin auszubauen. Die folgenden Tipps bieten Ihnen verschiedene Ansatzpunkte dafür, Ihre Disziplin zu trainieren.

Ziele vor Augen führen

Wie groß die Disziplin bei einer bestimmten Aufgabe oder Tätigkeit ist, hängt nicht nur davon ab, wie diszipliniert ein Mensch generell ist. Entscheidend ist auch, warum man etwas tut. Disziplin fällt leichter, wenn man seine Ziele vor Augen hat. Ist der Sinn einer Tätigkeit hingegen unklar, wird selbst ein sehr disziplinierter Mensch sie womöglich nicht mit vollem Einsatz ausführen.

Machen Sie sich also klar, welche Ziele Sie verfolgen – möglichst bei allem, was Sie im Job und im Privatleben tun. Ebenso wichtig ist es, die eigene Zeit sinnvoll zu verwenden. Die meiste Zeit sollten Sie auf die Dinge verwenden, die die höchste Priorität für Sie haben.

Das erfordert es auch, in anderen Bereichen bewusst Abstriche zu machen. Sie können nicht alles gleichzeitig machen und darauf hoffen, in allen Bereichen zu glänzen. Am größten ist das Potenzial zur Verbesserung, wenn man sich auf einzelne Dinge konzentriert. Die meisten Profisportler haben etwa über viele Jahre jede freie Minute in ihr Hobby gesteckt, bevor sie es zum Beruf machen konnten. Sie wären nicht so gut geworden, wenn sie gleichzeitig noch fünf andere Hobbys gehabt hätten, für die sie Zeit gebraucht hätten.

Realistische Erwartungen haben

Um motiviert zu bleiben, sollten Sie sich realistische Ziele setzen. Erwarten Sie nur das von sich, was Sie auch tatsächlich schaffen können. Das beschert Ihnen Erfolgserlebnisse und schützt Sie vor Rückschlägen und Enttäuschungen.

Wenn Sie sich hingegen unrealistische Ziele setzen, kann es sein, dass Sie schon nach kurzer Zeit frustriert sind, weil Sie Ihren Zielen nicht schnell genug näherkommen. Dadurch verlieren Sie womöglich das Interesse und den Elan, der nötig wäre, um Ihre Ziele zu erreichen.

Konzentrationsfähigkeit und Fokus trainieren

Konzentration und fokussiertes Arbeiten sind die Grundvoraussetzungen dafür, Dinge zu erreichen. Denken Sie an eine leidige Aufgabe an der Arbeit: Wenn Sie sich permanent ablenken lassen, brauchen Sie wahrscheinlich eine gefühlte Ewigkeit. Sind Sie hingegen konzentriert bei der Sache, ist die lästige Tätigkeit schneller abgeschlossen. Je besser Ihre Konzentrationsfähigkeit ist, desto einfacher wird es Ihnen fallen, (Etappen-)Ziele zu erreichen.

Einerseits wird es Ihnen mit mehr Selbstdisziplin leichter fallen, auf Ablenkungen nicht zu reagieren. Andererseits müssen Sie es sich auch nicht unnötig schwer machen. Lassen Sie also öfter mal Ihr E-Mail-Programm geschlossen, schließen Sie die Tür Ihres Büros oder schalten Sie das WLAN aus, wenn Sie das Internet gerade nicht brauchen.

Welche Strategien sich am besten eignen, um Ablenkungen zu minimieren, ist letztlich eine individuelle Frage. Überlegen Sie, wodurch Sie sich am ehesten und häufigsten ablenken lassen, und entwickeln Sie im nächsten Schritt Ansätze, wie Sie künftig mit diesen Ablenkungen umgehen.

Bleiben Sie bei dem, was Sie beschlossen haben

Sie haben sich vorgenommen, ab sofort zweimal pro Woche laufen zu gehen. Nun ist es Sonntag, Sie waren bis jetzt erst einmal laufen und überlegen, ob es nicht fürs Erste reicht, einmal in der Woche laufen zu gehen.

Oder Sie möchten endlich aufhören, ständig Chips und Süßigkeiten zu essen – und haben beschlossen, keine entsprechenden Lebensmittel mehr zu kaufen. Nun stehen Sie im Supermarkt vor der Schokolade und diskutieren mit sich: Vielleicht schaffen Sie es ja doch, sich zu mäßigen? Wie schädlich kann es sein, wenn Sie eine Tafel Schokolade kaufen?

Sicherlich haben Sie schon ähnliche Situationen erlebt. Wenn Sie mit sich über Dinge diskutieren, die Sie längst beschlossen hatten, machen Sie es sich unnötig schwer. Natürlich spricht nichts dagegen, einmal getroffene Entschlüsse hin und wieder zu überprüfen. In vielen Fällen hilft es aber ungemein, wenn eine Kehrtwende schlicht nicht zur Debatte steht. Sie sparen dann Zeit und Energie, die Sie ansonsten darauf verwenden würden, über das Für und Wider bestimmter Vorgehensweisen nachzudenken.

Den eigenen Kurs nicht klar vor Augen zu haben, ist anstrengend und kann Stress hervorrufen. Bleiben Sie also bei dem, was Sie beschlossen haben.

Belohnungen und Auszeiten

Selbstdisziplin ist in erster Linie ein Instrument, um Ziele zu erreichen. Sehr disziplinierte Menschen schaffen oft viel, aber sie haben auch oft Stress und quälen sich durch schwierige Phasen. Schaffen Sie dazu unbedingt einen Ausgleich.

Belohnen Sie sich, wenn Sie (Zwischen-)Ziele erreicht haben. Schalten Sie für eine gewisse Zeit völlig ab und erwarten Sie zur Abwechslung einmal gar nichts von sich. Für Ihr Wohlbefinden sind solche Pausen essenziell. Bleiben sie aus oder kommen sie zu kurz, kann das dazu führen, dass Ihr Alltag einem Lauf im Hamsterrad gleicht. Das kann nicht nur Frust erzeugen, sondern auch Ihre psychische und seelische Gesundheit beeinträchtigen.

Bildnachweis: Anatoliy Karlyuk / Shutterstock.com

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