Richtig kritisieren: So äußern Sie konstruktive Kritik

Kritik hören die wenigsten Menschen gerne. Dabei hat sie eine wichtige Funktion: Sie weist auf Verbesserungspotenzial hin und ermöglicht es uns, aus Fehlern zu lernen. Beim Äußern von Kritik ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt, damit die Rückmeldung nicht falsch verstanden wird. Hier erfahren Sie, was konstruktive Kritik im Vergleich zu destruktiver Kritik auszeichnet, wie Sie Kritik richtig äußern und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Konstruktive Kritik wird besser angenommen

Warum Sie sich darüber Gedanken machen sollten, wie Sie andere kritisieren

Kritik ist laut Duden eine „prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten“. Obwohl viele Menschen Kritik mit einer negativen Rückmeldung in Verbindung bringen, muss das nicht zwingend der Fall sein. Eine Beurteilung kann schließlich ebenso gut positiv ausfallen. So spricht man beispielsweise auch von einer Theater- oder Filmkritik, die negative Aspekte aufgreifen, aber ebenso gut auch viel Lob enthalten kann.

Zugegeben: Geht es darum, Kritik zu äußern, ist im beruflichen und privaten Alltag oft etwas gemeint, das besser laufen könnte. Vielleicht möchte der Chef seiner neuen Mitarbeiterin mitteilen, dass sie eine bestimmte Aufgabe nicht so angeht, wie er es sich vorgestellt hat. Oder es geht für einen Mitarbeiter darum, einen Zulieferer darauf anzusprechen, dass die Qualität der Lieferungen schlechter geworden ist.

Unbedachte Kritik kann andere vor den Kopf stoßen

Wenn es Kritik zu äußern gibt, sollten Sie mit Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen. Allzu oft wird Kritik unbedacht auf eine Art und Weise geäußert, die dem gewünschten Effekt nicht zuträglich ist. Sie fällt etwa zu allgemein aus, bleibt unkonkret oder wird von der betreffenden Person als persönlicher Angriff aufgefasst.

Falsch geäußerte Kritik kann dazu führen, dass sich die andere Person angegriffen fühlt und beleidigt ist. Sie kann sich auch vor den Kopf gestoßen fühlen oder wird durch heftige Kritik so verunsichert, dass sie gar nicht mehr weiß, wie sie vorgehen soll. Im schlimmsten Fall kann Kritik die Beziehung zu einer Person nachhaltig belasten. Es kann auch sein, dass sie gar nicht wirklich beim anderen ankommt, weil sie als ungerechtfertigt empfunden wird. In solchen Fällen hatte es keinen positiven Effekt, die Kritik zu äußern.

Das zeichnet konstruktive Kritik aus

Wie Kritik geäußert wird, hat entscheidenden Einfluss darauf, wie sie bei ihrem Empfänger ankommt. Im Kern geht es dabei darum, ob die Kritik konstruktiv oder destruktiv ist. Wo liegt der Unterschied?

Konstruktive Kritik ist rein sachlich. Wer sie äußert, formuliert seine Worte mit Bedacht. Es geht ihm nicht darum, die andere Person grundsätzlich schlecht zu machen oder sie persönlich anzugreifen. Vielmehr steht das Ziel im Vordergrund, die betreffende Person mit den richtigen Worten auf ein bestimmtes Fehlverhalten oder Mängel aufmerksam zu machen. Die Kritik wird so geäußert, dass man sie als hilfreiche Anmerkung empfindet und nicht als harte Rüge. Das bedeutet: In der Kritik schwingen keine Emotionen mit, außerdem wird der kritisierten Person aufgezeigt, was sie besser machen könnte – sie kann also aus der Kritik tatsächlich lernen.

Konstruktive Kritik: Beispiele

  • Ein Chef nimmt seinen Mitarbeiter nach einem Meeting zur Seite: „Herr Müller, ich wollte noch mit Ihnen reden wegen des Projekts XY. Sie hatten mir ja die Präsentation für den Kunden zugeschickt. Könnten Sie da bitte noch die Folie zum Thema XY überarbeiten? Da sind noch ein, zwei inhaltliche Fehler, und zwar…“
  • Im Mitarbeitergespräch: „Frau Meier, ich schätze Ihre Arbeit wirklich sehr. Sie haben immer gute Ideen und sind sehr engagiert. Eine Sache ist mir allerdings in der letzten Zeit aufgefallen…“
  • Rückmeldung zu einer Aufgabe: „Herr Müller, Sie wissen, wie sehr ich Ihr Engagement schätze. Bei der Aufgabe XY haben Sie Ihr Potenzial aber nicht voll ausgeschöpft. Ich hatte das Gefühl, Sie waren nicht ganz bei der Sache. Hatten Sie Zeitdruck oder gab es ein anderes Problem?“
  • Anregung für künftige Optimierungen: „Das haben Sie gut gemacht, Frau Weber. Nur eine Anmerkung: Könnten Sie künftig bitte darauf achten, …“

Aus destruktiver Kritik kann man nicht lernen

Demgegenüber steht destruktive Kritik. Destruktive Kritik wird meist unbedacht geäußert, mit den ersten Worten, die einem in den Kopf kommen. Leider sind das oft nicht die optimalen Worte, um das Ziel in der besten Art und Weise zu erreichen. Destruktive Kritik ist oft voller Emotionen und wird häufig sehr pauschal geäußert. In der Folge fühlt sich die andere Person allgemein verurteilt und abgewertet.

Destruktive Kritik ist für die Betroffenen häufig nicht nachvollziehbar und stößt sie vor den Kopf. Konkrete Tipps, was die betreffende Person künftig besser machen könnte, gibt es nicht. Mitunter geht destruktive Kritik sogar mit Beleidigungen einher.

Destruktive Kritik: Beispiele

  • Der Chef staucht den Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft zusammen, weil er einen Fehler gemacht hat: „Ja, können Sie denn gar nichts, Müller?“
  • Statt einer nüchternen Beurteilung wird die Kritik persönlich: „Sie sind wohl einfach zu blöd für die Aufgabe.“
  • Die Vorgesetzte kritisiert einen Mitarbeiter für seine Arbeitsergebnisse, teilt aber nicht mit, wo genau das Problem liegt. So kann der Mitarbeiter sich nicht verbessern, sondern wird dieselben Fehler womöglich immer wieder machen.
  • Der Chef ist sauer, weil ein Kunde abgesprungen ist, und hat seine Emotionen kaum im Griff. Er schreit sein Team an, wird ausfallend, seine Kritik fällt pauschal und verallgemeinernd aus.

Kritik richtig äußern: Worauf es ankommt

Wenn Sie Kritik äußern, sollten Sie immer versuchen, das konstruktiv zu tun. Mit destruktiver Kritik wird es unwahrscheinlicher, dass der inhaltliche Kern Ihrer Anmerkungen bei seinem Empfänger ankommt. Außerdem kann die Beziehung zu der betreffenden Person Schaden nehmen. Schlimmstenfalls sorgen Sie mit Ihrer Kritik nur für Unmut, können aber keine positive Verbesserung anstoßen. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie man Kritik richtig äußert. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, positive Kritik zu formulieren.

Ein Verhalten kritisieren, nicht eine Person

Wenn Sie andere kritisieren, ist es wichtig, dass es dabei nur um ein bestimmtes Verhalten geht. Geben Sie der anderen Person nicht das Gefühl, dass sie in ihrer Gesamtheit abgewertet werden soll. Werden Sie nicht persönlich und lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, im Verlauf des Gesprächs noch andere negative Dinge hervorzuholen, die gerade gar nicht aktuell sind.

Nicht verallgemeinern

Positive Kritik ist nur möglich, wenn die eigenen Anmerkungen nicht verallgemeinernd wirken. Angenommen, eine Chefin gibt eine Rückmeldung dazu, wie ein Mitarbeiter eine bestimmte Aufgabe erledigt hat. Dann sollte sie nur zur Sprache bringen, was in diesem Fall besser hätte laufen können, statt den Eindruck zu erwecken, die betreffende Person verhalte sich immer auf eine bestimmte Art und Weise. Vermeiden Sie dazu unbedingt Wörter wie „immer“ oder „nie“, wenn Sie Kritik äußern.

Konkret werden

Konstruktive Kritik setzt voraus, dass ein bestimmtes Verhalten konkret benannt wird. Machen Sie Ihrem Gegenüber immer klar, worum genau es Ihnen geht. Bleiben Sie zu schwammig, versteht der andere womöglich nicht, was genau Sie meinen.

Sachlich bleiben

In einem konstruktiven Feedback-Gespräch haben Emotionen nichts verloren. Es ist nicht hilfreich, wenn jemand laut oder unsachlich wird. Dadurch kann die Situation schnell eskalieren, außerdem hat die Kritik wahrscheinlich nicht die erhoffte Wirkung. Die andere Person ärgert sich wahrscheinlich zu sehr über den Angriff und hat gar nicht den Kopf dafür, sich inhaltlich mit der Kritik auseinanderzusetzen.

Den richtigen Moment finden

Entscheidend ist auch, dass Sie den richtigen Moment abpassen, um eine andere Person zu kritisieren. So sollte ein Vorgesetzter einen Mitarbeiter nicht vor versammelter Mannschaft rund machen. Ebenso wenig ist es hilfreich, kritische Worte zwischen Tür und Angel zu äußern, wenn es gerade hektisch zugeht. Suchen Sie einen Zeitpunkt, an dem Sie selbst ruhig sind und wo die andere Person etwas Zeit hat. Kritikgespräche finden am besten unter vier Augen statt.

Auch Positives benennen

Negatives Feedback kann die kritisierten Personen hart treffen, selbst wenn es aus Sicht des Kritisierenden gar nicht so schlimm war. Um eine allzu negative Reaktion zu verhindern, empfiehlt es sich, auch positive Aspekte zur Sprache zu bringen. Sie können etwa mit etwas Positivem beginnen, dann Ihre Kritik einschieben und zum Schluss noch einmal lobende Worte finden. So bleibt nicht nur Negatives hängen.

„Ich“ statt „du“

Viele Vorwürfen beginnen mit Worten wie „du machst…“, „du bist…“ oder „du hast…“. Das klingt schnell wie eine Anschuldigung. Besser ist es, die eigene Wahrnehmung in den Vordergrund zu rücken. Der US-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg hat das Modell der „Ich-Botschaften“ entwickelt. Ziel ist eine gewaltfreie Kommunikation. Statt „Du hast XY nicht gemacht“ sagen Sie dann zum Beispiel „Ich hätte mir gewünscht, dass…“. Es ist außerdem hilfreich, Verständnis für die Situation des anderen zu zeigen. Dadurch fühlt sich die andere Person eher verstanden und weniger angegriffen.

Häufige Fehler beim Äußern von Kritik

Wer Kritik äußert, kann vieles falsch machen. Damit Ihre Kritik nicht ungewollt den falschen Effekt erzielt, sollten Sie die folgenden Fehler vermeiden.

Kritik emotional äußern

Einer der größten Fehler besteht darin, Kritik emotional zu äußern. Wenn Sie gerade total wütend sind, ist das der falsche Zeitpunkt für ein Gespräch. Sie sollten auch nicht persönlich beleidigt sein oder pauschale Anschuldigungen machen. Beides kann dazu führen, dass sich der Konflikt durch die Kritik zuspitzt.

Persönliche Angriffe

Greifen Sie eine Person, die Sie kritisieren möchten, niemals auf persönlicher Ebene an. Es geht Ihnen schließlich um ein bestimmtes Verhalten und nicht darum, die andere Person auf ganzer Linie abzulehnen. Das sollte sich in der Art und Weise, in der Sie Kritik äußern, widerspiegeln.

Kritik am falschen Ort und zur falschen Zeit äußern

Viele Menschen machen den Fehler, Kritik sofort zu äußern, wenn sie ihnen in den Kopf kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die kritischen Worte zum falschen Zeitpunkt fallen, ist unter diesen Umständen groß. Überlegen Sie sich, wie und wann Sie Ihre Kritik äußern können, damit sie als konstruktive, positive Kritik aufgenommen wird.

Kritik äußern als Monolog

Wer andere kritisiert, möchte zwar in erster Linie seine Anmerkungen loswerden. Zu einem Monolog werden sollte eine kritische Rückmeldung aber nicht. Geben Sie der kritisierten Person Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern und ihre Sichtweise darzulegen.

Nicht klar benennen, was man meint

Problematisch ist es auch, wenn Kritik nicht klar genug geäußert wird. Das kann passieren, wenn sich die kritisierende Person wenig Gedanken darüber macht, was sie eigentlich genau stört. Überlegen Sie sich das vorher und benennen Sie dann klar, worum es Ihnen geht. Nur so kann die Kritik ihren gewünschten Effekt haben und eine Verbesserung anstoßen.

Keine Tipps für Verbesserung geben

Es wäre auch ein Fehler, der kritisierten Person keine Hinweise darauf zu geben, was sie künftig besser machen kann. Wenn Sie nur kritisieren, aber keine Lösungen aufzeigen, trägt die Kritik wahrscheinlich nicht dazu bei, dass es in Zukunft besser läuft.

Bildnachweis: gpointstudio / Shutterstock.com

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