Honorarkraft: Flexibles Arbeiten auf selbstständiger Basis

Eine Honorarkraft bietet als Freelancer eine bestimmte Dienstleistung an, für die sie von ihrem Auftraggeber ein Honorar erhält. Honorarkräfte finden sich vor allem in den Bereichen Bildung, Beratung und Kultur. Aber auch im Gesundheitswesen werden immer wieder Freelancer auf Honorarbasis beschäftigt. Was Honorarkräfte beachten sollten und welche Vor- und Nachteile diese Arbeitsform mit sich bringt, haben wir hier zusammengefasst.

Ein Mann erhält einen Scheck, was ist eine Honorarkraft?

Arbeiten auf Honorarbasis: Was bedeutet das?

Freiberufler und Selbstständige arbeiten oft auf Honorarbasis. Das bedeutet, dass sie kein festes monatliches Gehalt erhalten, sondern ein im Voraus vereinbartes Honorar für die jeweilige Dienstleistung.

Ein Beispiel: Ein selbständiger Webdesigner bietet seine Dienste einem anderen Unternehmen an. Die beiden Unternehmer vereinbaren, dass der Auftragnehmer, also der selbstständige Webdesigner, einen bestimmten Betrag erhält, wenn die Website fertiggestellt ist. Dieser Betrag wird als Honorar bezeichnet.

Eine weitere Besonderheit als Honorarkraft: Man ist nicht weisungsgebunden. Während bei einem normalen Arbeitsverhältnis der Arbeitgeber die Arbeitszeiten und die eigentliche Tätigkeit festlegt (beides natürlich im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften), ist dies bei einer Honorarkraft anders. Der Auftraggeber kann nur eingeschränkt bestimmen, zu welchen Zeiten die Honorarkraft arbeitet und wie sie ihre Arbeit verrichtet. Solange das vereinbarte Ergebnis geliefert wird, die Honorarkraft sich an Absprachen hält und für spontane Änderungen erreichbar ist, ist das völlig in Ordnung.

Wenn ein Unternehmer eine Honorarkraft beauftragt, schließt er mit ihr keinen Arbeitsvertrag, sondern einen Honorarvertrag. In diesem werden die wichtigsten Rahmenbedingungen festgehalten, sodass beide Seiten ein verbindliches Vertragswerk haben, auf das sie sich berufen können.

Honorarkräfte sind nicht zwingend Freiberufler

Die Begriffe Freelancer und Freiberufler werden häufig verwechselt, was dazu führt, dass auch Honorarkräfte mitunter falsch bezeichnet werden. Eine Honorarkraft kann mit einem Freelancer gleichgesetzt werden. Beide arbeiten auf eigene Rechnung und haben keinen Arbeitgeber, sondern suchen sich ihre Auftraggeber selbst aus.

Freiberufler dagegen gehören in Deutschland bestimmten Berufen an. Welche das sind, ist im Einkommensteuergesetz geregelt. Zu den Freiberuflern gehören zum Beispiel Ärzte, Apotheker und Steuerberater. Ein Freiberufler kann als Freelancer arbeiten und damit eine Honorarkraft sein. Aber nicht jede Honorarkraft ist automatisch ein Freiberufler.

Honorarkraft werden: So ist der Ablauf

Selbstständige, die auf Honorarbasis arbeiten möchten, stellen ihre Dienstleitung potenziellen Auftraggebern zur Verfügung. Wer auf Honorarbasis arbeiten möchte, der muss dazu zunächst einmal festlegen, was seine Kompetenzen sind und welche Dienstleistung er seinen Kunden anbieten kann und will.

Im nächsten Schritt sollte man sich Gedanken über seinen Stundenlohn als Honorarkraft machen. Wichtig dabei: Anders als Arbeitnehmer hat man, wenn man auf Honorarbasis arbeitet, keinen Arbeitgeber, der die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge zahlt. Das bedeutet, dass Honorarkräfte ihre Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung selbst bezahlen müssen.

In die Überlegungen zur Höhe des Stundenlohns sollte außerdem einfließen, dass auch Urlaubszeiten und eventuelle Arbeitsausfälle wegen Krankheit von der Honorarkraft selbst aufgefangen werden müssen. Der Stundenlohn einer Honorarkraft muss daher deutlich über dem Stundenlohn eines Arbeitnehmers liegen, denn bezahlter Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall stehen Arbeitnehmern per Gesetz zu.

Sind die Einkünfte als Honorarkraft steuerfrei?

Auch dieser Punkt will bei der Festlegung des Stundenlohns als Honorarkraft bedacht werden: Einkünfte als Honorarkraft sind in der Regel nicht steuerfrei. Verbindliche Angaben zu diesem Thema kann natürlich nur ein Steuerberater oder ein anderer Fachmann machen.

Sobald der jährliche Grundfreibetrag überschritten wird, sind die Einkünfte in der Regel zu versteuern.

Arbeiten auf Honorarbasis als Nebenjob

Wird die Honorartätigkeit nur im Nebenjob und damit im geringen Umfang ausgeübt, könnte man im Hinblick auf Steuern und Sozialabgaben recht günstig davonkommen. Das liegt daran, dass das Einkommen aus der eigentlichen Hauptbeschäftigung bereits versteuert wurde und auch Sozialabgaben auf das Einkommen gezahlt wurden.

In der Regel muss die Tätigkeit weniger als sechs Stunden pro Woche umfassen. Aber auch hier gilt: Im Zweifelsfall sollte man unbedingt vorher bei einem Steuerberater und/oder der Rentenversicherung nachfragen. Denn im Einzelfall kann die Situation ganz anders aussehen. Bevor Sie also Nachzahlungen oder andere Komplikationen mit dem Finanzamt und der Rentenversicherung oder anderen Sozialversicherungen riskieren, sollten Sie sich vorher gründlich beraten lassen.

Personen, welche die Arbeit als Honorarkraft im Ehrenamt ausüben, können in der Regel von der Übungsleiterpauschale oder der Ehrenamtspauschale profitieren. Die Übungsleiterpauschale liegt bei 3.000 Euro pro Jahr, die Ehrenamtspauschale bei 840 Euro – bleiben Sie unter diesen Grenzen, kann die Arbeit als Honorarkraft tatsächlich steuerfrei sein.

Nebenjob auf Honorarbasis: Die Kleinunternehmerregelung

Wenn auch nicht völlig einkommensteuerfrei, so kann man als Honorarkraft im Nebenjob unter Umständen aber auf eine andere Steuer verzichten: die Umsatzsteuer. Denn in der Regel muss auf den Rechnungen, die ein Freiberufler in Deutschland ausstellt, die Umsatzsteuer ausgewiesen und erhoben werden. Diese Steuer wird regelmäßig an das Finanzamt abgeführt. Allerdings meist erst dann, wenn der Freiberufler die von ihm gezahlte Umsatzsteuer für Betriebsausgaben abgezogen hat – das hängt aber vom Einzelfall ab.

Freelancer und damit auch Honorarkräfte, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze bleiben, können die sogenannte Kleinunternehmerregelung beantragen. Diese Regelung greift, wenn die Honorarkraft im vorangegangenen Kalenderjahr weniger als 22.000 Euro verdient hat und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro verdienen wird.

In diesem Fall kann sie auf der Rechnung vermerken, dass sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt und somit keine Umsatzsteuer für die Leistung anfällt. In diesem Fall wären die Einnahmen also umsatzsteuerfrei. Dies kann für manche Auftraggeber von Vorteil sein.

Arbeiten auf Honorarbasis: Das sind die Schritte

Weiter oben haben wir bereits einige Schritte genannt, über die sich angehende Honorarkräfte Gedanken machen sollten. Wer auf Honorarbasis arbeiten möchte und diese Punkte für sich geklärt hat, der kann die nächsten Voraussetzungen angehen.

Zunächst muss man sich als angehende Honorarkraft an das Finanzamt wenden und dort den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. In diesem Fragebogen sollte man unter anderem möglichst genau beschreiben, wie die Tätigkeit aussieht. Auch die Entscheidung, ob man nebenberuflich oder hauptberuflich als Honorarkraft arbeiten möchte, sollte bereits im Vorfeld getroffen werden, da diese Entscheidung unter anderem Einfluss auf die Kleinunternehmerregelung hat.

Man wird kaum hauptberuflich auf Honorarbasis arbeiten wollen und gleichzeitig den Jahresumsatz auf 22.000 Euro begrenzen wollen. Das wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Der nächste Schritt besteht darin, seine Dienstleistung oder sein Angebot bekannt zu machen. Dies kann beispielsweise in sozialen Netzwerken, auf der eigenen Website oder bei Netzwerktreffen geschehen. Wer auf Honorarbasis arbeiten möchte, sollte einen relativ großen Teil seiner Zeit für die Netzwerkarbeit einplanen. Denn mit einem guten Netzwerk steht und fällt in der Regel auch der Erfolg des eigenen Unternehmens.

Es gibt aber auch spezielle Plattformen, auf denen man sich als Honorarkraft registrieren und aktiv nach Auftraggebern suchen kann. Für den Einstieg als Honorarkraft ist das sicherlich eine gute Möglichkeit, da man bei diesen ersten Aufträgen ein Gefühl für die Arbeit und den damit verbundenen Aufwand bekommt. Es kann aber auch sein, dass man nach einigen Aufträgen, die man über eine dieser Plattformen bekommen hat, merkt, dass man sein Angebot bzw. seinen Stundenlohn als Honorarkraft anpassen muss, um wirtschaftlich zu agieren.

Arbeiten als Honorarkraft: Die Vor- und Nachteile

Ein Job auf Honorarbasis klingt für viele verlockend. Schließlich kann man selbst über seine Zeit bestimmen und sich die Aufträge aussuchen. Dass dem nicht immer so ist, merken manche Honorarkräfte erst, wenn es zu spät ist. Die folgende Übersicht über einige Vor- und Nachteile soll deshalb mit Vorurteilen aufräumen, die immer noch über die Arbeit als Honorarkraft kursieren:

VorteileNachteile
Als Honorarkraft ist man zeitlich flexibel und kann sich seinen Tagesablauf so einteilen, wie es am besten passt.Hohe zeitliche Flexibilität bedeutet nicht, dass man nur wenige Stunden am Tag arbeiten muss. Die Work-Life-Balance leidet schnell darunter, dass Arbeit aufgeschoben wird, irgendwann aber doch erledigt werden muss und dafür Freizeit geopfert werden muss. Das kann zu Stress und Unzufriedenheit führen.
Als Honorarkraft kann man seinen Stundenlohn selbst festlegen und damit selbst darüber entscheiden, was man verdienen möchte.Gerade Honorarkräfte unterliegen dem Marktspiel von Angebot und Nachfrage. Honorarkräfte, die (bei gleicher Leistung) deutlich über dem Branchendurchschnitt liegen, sind weniger gefragt als andere. Dies führt letztlich dazu, dass man nicht so frei über seinen Stundenlohn entscheiden kann, sondern sich den Marktgegebenheiten anpassen muss. Hinzu kommt die wirtschaftliche Unsicherheit, ob man im nächsten Monat oder nach Projektende weitere Auftraggeber findet.
Honorarkräfte können ihr Wissen immer weiter ausbauen und ständig neue Fähigkeiten dazu lernen.Die berufliche Weiterentwicklung ist für viele Honorarkräfte nur bedingt möglich. Wer als Honorarkraft immer wieder in ähnlichen Projekten eingesetzt wird, arbeitet zwar mit der Zeit schneller und sammelt Berufserfahrung, aber diese Erfahrung ist begrenzt. Honorarkräfte, die sich über diese Tätigkeiten hinaus weiterentwickeln wollen, müssen dies in ihrer Freizeit tun, was sich wiederum negativ auf die Work-Life-Balance auswirkt.

Bildnachweis: SuperOhMo / Shutterstock.com

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