Schichtarbeit: Regelungen und Tipps für das Arbeitsmodell

In einigen Berufen ist Schichtarbeit unabdingbar. Stellen Sie sich vor, im Krankenhaus würden Sie nur zu den üblichen Bürozeiten versorgt – keine beruhigende Aussicht. Um jederzeit Patienten versorgen zu können, gibt es dort die Schichtarbeit. Doch auch in vielen anderen Berufen wird im Schichtdienst oder gar in Wechselschicht gearbeitet. Welche Regelungen dabei gelten, was Schichtdienst für die Gesundheit bedeutet und was Arbeitnehmer für ihre körperliche Fitness tun können, lesen Sie hier.

Einige Frauen bei der Schichtarbeit in der Industrie

Schichtarbeit: Was versteht man darunter?

Mit Schichtarbeit meint man in der Regel, dass Arbeitnehmer regelmäßig zu unterschiedlichen Uhrzeiten arbeiten müssen. Statt also standardmäßig von 9 bis 17 Uhr im Büro zu sein, gibt es Beschäftigte, die beispielsweise auch nachts arbeiten müssen, etwa Ärzte, Polizisten oder auch Mitarbeiter im produzierenden Gewerbe. Wenn die Arbeitszeiten wechseln, also in verschiedenen Schichten gearbeitet wird, spricht man auch davon, dass die Arbeitnehmer in Wechselschicht arbeiten.

Folgende Schichten kommen dabei in der Regel vor:

  • Frühschicht
  • Mittagsschicht
  • Nachtschicht

Im Gesetz gibt es keine klare Definition, was unter Schichtarbeit zu verstehen ist. Jedoch gibt es im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) Regelungen in Bezug auf die Nacht- und Schichtarbeit, an die sich Arbeitgeber halten müssen. Diese gesetzlichen Vorschriften sind in § 6 des Arbeitszeitgesetzes zu finden.

Die Modelle der Schichtarbeit

Arbeitgeber nutzen unterschiedliche Modelle der Schichtarbeit, um ihr Unternehmen und ihre Arbeitnehmer zu organisieren. Folgende Modelle können beispielsweise zum Einsatz kommen:

  1. 2-Schicht-Modell: Auch unter dem Namen Zweischichtbetrieb bekannt. Dabei wechseln sich die Kollegen in zwei Schichten ab – und zwar Früh- und Spätschicht. Nach der Spätschicht wird der Betrieb heruntergefahren und ruht bis zum nächsten Morgen. Da es eine Pause zwischen den beiden Schichten gibt, nennen man dieses Modell auch diskontinuierliche oder nicht kontinuierliche Schichtarbeit.
  2. 3-Schicht-Modell: Nennt man auch Dreischichtbetrieb. Der Vorteil des Modells: 24 Stunden lang kann im gesamten Betrieb gearbeitet werden. Dieses Modell kommt daher vor allem dann zum Einsatz, wenn die Produktion ununterbrochen aufrechterhalten werden soll. Arbeiten die Beschäftigten in diesem Modell an sieben Tagen pro Woche, nennt man das ein vollkontinuierliches Schichtsystem oder kurz Vollkonti.
  3. 4-Schicht-Modell oder 5-Schicht-Modell: Wenn das vollkontinuierliche Schichtsystem im Betrieb nicht möglich ist oder aufgrund eines Tarifvertrags nicht durchgesetzt werden kann, kommt häufig der Vier- oder Fünfschichtbetrieb zum Einsatz.
  4. Konstante Schichtarbeit: In diesem Modell arbeitet der Beschäftigte durchgehend während einer bestimmten Schicht. Die sogenannte Dauerfrühschicht ist zum Beispiel der Regelfall in Büros. Es gibt aber auch die Dauernachtschicht, bei der der Mitarbeiter durchgehend nachts eingesetzt wird.

Schichtarbeit und Arbeitsrecht: Diese Gesetze und Regelungen gelten

Wie bereits angesprochen gibt es im Arbeitsgesetz einige Paragrafen, die die Schichtarbeit regeln. Kennen sollten Arbeitnehmer die folgenden:

  • Die maximale Arbeitszeit von acht Stunden dürfen auch Arbeitnehmer, die in Nachtschicht arbeiten, nur in Ausnahmefällen überschreiten. In diesen Ausnahmefällen sind bis zu zehn Stunden täglicher Arbeit erlaubt.
  • Wird die Höchstarbeitszeit von acht Stunden in der Nachtschicht überschritten, muss der Arbeitgeber innerhalb eines Monats einen Ausgleich schaffen, sodass der Beschäftigte im Schnitt auf acht Stunden pro Arbeitstag kommt.
  • Wenn im Betrieb an Sonn- und Feiertagen gearbeitet wird, müssen im Jahr mindestens 15 Sonntage für den einzelnen Beschäftigten frei sein.
  • Arbeitnehmer, die in Nachtschicht arbeiten, haben einen Anspruch auf regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen, etwa bevor sie in ein Schichtmodell mit Nachschicht wechseln. Davon abgesehen können sie sich außerdem mindestens alle drei Jahre untersuchen lassen. Beschäftigte, die älter als 50 sind, sogar jedes Jahr. Diese Untersuchungen sind für Arbeitnehmer kostenlos.
  • Unter Umständen haben Beschäftigte, die in Nachtarbeit arbeiten, das Recht auf einen Arbeitsplatz mit einer anderen Arbeitszeit (Tagesarbeitsplatz) versetzt zu werden.
  • Arbeitnehmer, die in Spätschicht oder Nachtschicht arbeiten, müssen die gleichen Möglichkeiten wie andere Beschäftigte haben. Das betrifft vor allem betriebliche Weiterbildungen oder andere Maßnahmen, die das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers vereinfachen.
  • Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse müssen beachtet werden. Sollte es Studienergebnisse geben, die die Schichtarbeit für den Beschäftigten vereinfachen können, muss der Arbeitgeber diese beachten.

Achtung: Die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes können durch einen Tarifvertrag oder durch eine geltende Betriebsvereinbarung abgeändert werden. Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Ihr Arbeitgeber gegen die gesetzlichen Regelungen verstößt, fragen Sie zunächst beim Betriebsrat nach. Unter Umständen gilt ein Vertrag, der genau diese Änderungen regelt.

Ausgleich für die Schichtarbeit: Die Zuschläge und Freizeit

Bei einigen Arbeitnehmern sind Schichtarbeit und Wechselschicht beliebt, weil sie sich in der Regel positiv im Geldbeutel bemerkbar machen. Der Gesetzgeber hat einen verbindlichen Anspruch auf Zuschläge nur während der Nachtschicht vorgesehen. Für die Spätschicht gibt es keine gesetzliche Regelung, jedoch zahlen viele Arbeitgeber auch in diesen Fällen einen Zuschlag.

Gerade in Unternehmen mit einem Betriebsrat oder Tarifvertrag sind auch Zuschläge für die Spätschicht (ab einer gewissen Uhrzeit) gang und gäbe.

Übrigens: Die Zuschläge müssen nicht zwingend finanzieller Natur sein – obwohl das die Regel ist. Im Gesetz ist festgehalten, dass Arbeitgeber die Wahl zwischen zusätzlicher Freizeit oder einem finanziellen Zuschlag haben.

Schichtarbeit und Nachtarbeit: Das bedeuten sie für die Gesundheit

Natürlich muss man sich nicht nur mit den verschiedenen Regelungen und Modellen, sondern auch mit den Auswirkungen der Schichtarbeit auf die Gesundheit befassen. Denn immerhin arbeiteten 2016 17,4 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in Schichtarbeit – und viele davon in Wechselschicht.

Dass Wechselschicht ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit hat, bestreitet heute wohl kein Wissenschaftler mehr. Einer der Gründe dafür, dass sich Schichtarbeit und Wechselschicht negativ auf unser Wohlbefinden auswirkt, ist der veränderte Rhythmus. Wer nachts arbeitet, statt zu schlafen, muss sich tagsüber ausruhen – zumindest stundenweise. Damit verschieben sich aber alle Aktivitäten, die eigentlich tagsüber stattfinden, wie die Nahrungsaufnahme oder die Bewegung an der frischen Luft.

Hinzukommt, dass der Schlaf tagsüber in der Regel nicht so erholsam ist wie nachts. Auch wer gut abdunkelnde Rollläden und ein ruhiges Schlafzimmer hat, kommt oft nicht so leicht zur Ruhe wie nachts. Das liegt zum einen ebenfalls am veränderten Rhythmus. Zum anderen aber auch daran, dass die Mehrzahl der anderen Menschen tagsüber geschäftig ist. Da klingelt das Telefon, Kinder spielen vor dem Fenster oder aber der Postbote hat ein Paket abzugeben – alles Dinge, die die Schlafqualität massiv beeinflussen.

Vor allem die Nachtschicht kann zu größeren gesundheitlichen Problemen führen – wie einige Studien zeigen. Zu nennen ist zum einen die höhere Gefahr für einen Burnout. Grund dafür ist der weniger erholsame Schlaf und die damit einhergehende andauernde Erschöpfung.

Andere Studien deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Nachtschicht und Depressionen oder Angstzuständen gibt. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheinen bei Beschäftigten in Schichtarbeit häufiger vorzukommen.

Über folgende Beschwerden klagen Arbeitnehmer, die in Schichtarbeit und besonders in Nachtschicht arbeiten, am häufigsten:

  • Rückenschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Körperliche Erschöpfung

Arbeitnehmer und Arbeitgeber können jedoch einige Dinge tun, um die gesundheitlichen Folgen der Schichtarbeit zumindest ein wenig abzumildern.

Regelungen für bessere Gesundheit in der Schichtarbeit

Eine häufige Regel, die vielen Arbeitgebern angewendet wird, lautet, dass die Schichten nach vorne wechseln sollen. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer von der Frühschicht in die Mittagsschicht und von dort in die Nachtschicht wechseln – und nicht umgekehrt.

Grund für diese Regel: Sie gleicht am ehesten dem normalen Biorhythmus. Daher können Arbeitnehmer bei dieser Art von Wechsel mit den wenigsten Problemen im Hinblick auf die Umstellung rechnen.

Noch einen weiteren Vorteil hat diese Art von Schichtplangestaltung: Wenn von der Frühschicht in die Spätschicht gewechselt wird, sind die Pausen zwischen den verschiedenen Schichten länger als bei dem umgekehrten Wechsel. Und das wiederum führt dazu, dass Arbeitnehmern mehr Zeit zur Verfügung steht, um sich von der anstrengenden Schichtarbeit zu erholen.

Eine weitere Regel, die Arbeitgeber bei der Schichtplanung beachten sollten, ist die Anzahl der einzelnen Schichten: Studien weisen darauf hin, dass es für die Gesundheit am besten ist, dass – wenn der Arbeitnehmer in Nachtschicht arbeiten muss – nicht mehr als drei Nachtschichten aufeinander folgen sollten.

Tipps für die Schichtarbeit: Das können Arbeitnehmer tun

Auf der anderen Seite gibt es auch einige Tipps, die Arbeitnehmer beachten sollten, damit sie möglichst gesund durch die Schichtarbeit kommen:

  • Regelmäßige Mahlzeiten: Beschäftigte, die in Schichtarbeit oder gar in Wechselschicht arbeiten, haben häufig einen anderen Tagesrhythmus. Gerade deshalb sollten sie darauf achten, regelmäßig zu essen und dem Körper so ein wenig Kontinuität zu vermitteln.
  • Rituale etablieren: Apropos regelmäßiger Rhythmus – den können Sie auch durch Rituale schaffen. Wenn Sie sich zum Beispiel angewöhnen, eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen immer eine Tasse warme Milch zu trinken, wird ihr Körper dieses Ritual abspeichern. Und auch dann als Signal für die Schlafenszeit erkennen, wenn Sie sich früh morgens nach einer Nachtschicht schlafen legen.
  • Alkohol vermeiden: Einige Arbeitnehmer versuchen es mit einem Schlaftrunk der anderen Art: Alkohol. Es kann durchaus sein, dass Sie nach dem Genuss von Alkohol besser einschlafen – ausgeruhter aufwachen werden Sie aber wahrscheinlich nicht. Denn der Alkohol verhindert, dass Sie in den dringend nötigen und regenerativen Tiefschlaf kommen. Die Folge: Sie wachen unausgeschlafen und vermutlich wie gerädert auf.

Bildnachweis: Gorodenkoff / Shutterstock.com

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