Kündigungsgründe: Diese sollten Arbeitnehmer kennen

Will der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag kündigen, braucht er dazu einen Grund. Tatsächlich gibt es einige Kündigungsgründe, die ein derartiges Verhalten des Arbeitgebers rechtfertigen können. Noch dazu gibt es Verfehlungen des Mitarbeiters, die so schwerwiegend sind, dass sie sogar eine fristlose Kündigung zur Folge haben können.

Ein Mann nutzt sein Handy am Arbeitsplatz, dies kann zu den Kündigungsgründen gehören

Kündigungsgründe: Welche Gründe gibt es für eine Kündigung?

Das Arbeitsrecht in Deutschland zählt zu einem der arbeitnehmerfreundlichsten weltweit. Ein Arbeitgeber darf ein Arbeitsverhältnis zum Beispiel nicht ohne triftigen Grund beenden. Es gibt drei Wege, die dem Arbeitgeber bei der ordentlichen Kündigung offenstehen:

  • verhaltensbedingte Kündigung
  • personenbedingte Kündigung
  • betriebsbedingte Kündigung

Daneben hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis auch fristlos zu beenden. Dafür muss der Arbeitnehmer jedoch einen gewichtigen Verstoß gegen die Pflichten aus seinem Arbeitsvertrag begangen haben.

Übrigens: Diese Voraussetzungen gelten nur dann, wenn Sie als Arbeitnehmer nicht mehr in der Probezeit sind. Denn in der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten meist innerhalb von 2 Wochen gekündigt werden – ganz ohne Angabe von Kündigungsgründen.

Weitere Voraussetzung: das Kündigungsschutzgesetz. Das gilt nämlich nur in Betrieben, die mehr als 10 Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigen.

Kündigungsgründe für Arbeitnehmer

Soviel zu den Kündigungsgründen für Arbeitgeber. Als Arbeitnehmer brauchen Sie dagegen keinen Grund angeben, um das Arbeitsverhältnis beenden zu dürfen. In diesem Fall müssen Sie sich nur an die geltenden Kündigungsfristen halten, um das Arbeitsverhältnis zu kündigen. Diese Kündigungsfristen finden Sie entweder in Ihrem Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder einer anderen gültigen Vereinbarung zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber.

Auch Arbeitnehmer haben das Recht, das Arbeitsverhältnis fristlos zu beenden. Analog zu der fristlosen Kündigung durch den Arbeitgeber muss auch in diesem Fall ein schwerer Pflichtverstoß vorliegen.

Beispiele Kündigungsgründe für Arbeitnehmer

Ein derartiger Verstoß gegen die Pflichten des Arbeitgebers ist zum Beispiel:

  • Gehalt wird über mehrere Monate nicht komplett oder gar nicht gezahlt.
  • Der Arbeitgeber ignoriert die Vorschriften zum Arbeitsschutz seiner Mitarbeiter.
  • Die Tätigkeiten, die beim Arbeitgeber ausgeführt werden sollen, stellen eine Gefährdung für die Gesundheit dar.
  • Der Arbeitgeber stiftet den Arbeitnehmer zu einer Straftat an (zum Beispiel die Vorschriften zur Kurzarbeit zu missachten).
  • Der Arbeitnehmer wird am Arbeitsplatz wiederholt gemobbt.
  • Der Arbeitnehmer wird am Arbeitsplatz diskriminiert.

Die Gerichte entscheiden jedoch stets anhand des Einzelfalls an, ob der angegeben Grund für eine fristlose Kündigung ausreichend ist.

Kündigungsgründe für Arbeitgeber: Das sollten Arbeitnehmer beachten

Gleich vorab: Der Arbeitgeber muss den Grund für die Kündigung nicht im Kündigungsschreiben nennen. Sollten Sie ihn jedoch erfahren wollen, muss er ihn mitteilen. Das ist auch mündlich zulässig.

Damit der Arbeitgeber ordentlich kündigen kann, muss einer der folgenden Gründe vorliegen.

Die betriebsbedingte Kündigung

Diese Form der Kündigung durch den Arbeitgeber dürfte in nächster Zeit etwas häufiger werden. Denn im Zuge der Coronakrise haben einige Arbeitgeber mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Folge: Sie müssen sich von einigen Arbeitnehmern trennen.

Damit eine betriebsbedingte Kündigung vor Gericht bestand hat, müssen bestimmte Voraussetzungen beim Arbeitgeber vorliegen:

  • Der Arbeitgeber hat einen beachtlichen Auftragsrückgang zu verzeichnen.
  • Der Arbeitgeber leidet unter der schlechten konjunkturellen Lage.
  • Ein Betriebsteil wird an eine andere Firma oder an einen anderen Ort ausgelagert.
  • Ein Betriebsteil oder der gesamte Betrieb wird stillgelegt.

Im Gegensatz zu den anderen Kündigungsgründen für eine ordentliche Kündigung ist bei einer betriebsbedingten Kündigung die Schuld nicht beim Arbeitnehmer zu suchen. Er kann in der Regel nichts dafür, dass sein Arbeitgeber wirtschaftlich in Schieflage geraten ist.

Die verhaltensbedingte Kündigung

Bei der verhaltensbedingten Kündigung ist das anders. Denn bei dieser Kündigung liegt die Schuld eindeutig beim Arbeitnehmer. Eine Kündigung aus derartigem Grund ist dann möglich, wenn der Arbeitnehmer die Pflichten aus dem Arbeitsvertrag nicht erfüllt – vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit.

Vor einer verhaltensbedingten Kündigung muss der Arbeitgeber in der Regel seinen Arbeitnehmer mindestens einmal abmahnen. Dabei ist auch die Abmahnung an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Welche das sind, können Sie im Artikel zum Thema Abmahnung nachlesen.

Wichtig zu wissen: Ist die Abmahnung beispielsweise aufgrund von Formfehlern ungültig, kann es der Arbeitgeber mit einer verhaltensbedingten Kündigung schwer haben. Denn dafür braucht er mindestens eine Abmahnung. Eine fehlerhafte Abmahnung wird unter Umständen aber gar nicht gewertet. Womit eine wichtige Voraussetzung für die verhaltensbedingte Kündigung fehlt.

Daneben gibt es aber auch Fälle, in denen sich der Arbeitgeber die Abmahnung vor einer verhaltensbedingten Kündigung sparen kann. Bei sehr schweren Pflichtverstößen ist auch eine fristlose verhaltensbedingte Kündigung möglich.

Außerdem braucht der Arbeitgeber keine Abmahnung auszusprechen, wenn dem Arbeitnehmer klar sein musste, dass sein Chef das Verhalten nicht toleriert, wie beispielsweise bei einem Diebstahl von Betriebsmitteln oder anderem Eigentum der Firma.

Gründe für eine verhaltensbedingte Kündigung

Folgende Kündigungsgründe kommen für eine verhaltensbedingte Kündigung in Frage:

  • Arbeitsverweigerung
  • Arbeitszeitbetrug
  • Spesenbetrug
  • Angekündigte Krankmeldung
  • Private Internet- und Handynutzung am Arbeitsplatz
  • Alkoholkonsum am Arbeitsplatz (trotz Verbot durch den Arbeitgeber)
  • Mobbing
  • Beleidigungen
  • Sexuelle Belästigung
  • Diebstahl
  • Betrug
  • Unterschlagung
  • Konkurrenztätigkeit

Die personenbedingte Kündigung

Auch bei einer personenbedingten Kündigung hat der Arbeitnehmer eine gewisse Mitschuld an der Situation. Wobei er für eine personenbedingte Kündigung in der Regel weniger kann als für eine verhaltensbedingte Kündigung.

Der Klassiker der personenbedingten Kündigung ist nämlich die krankheitsbedingte Kündigung. Dabei wird das Arbeitsverhältnis gekündigt, weil der Arbeitnehmer bestimmte Pflichten, die sich aus dem Arbeitsvertrag ergeben, nicht mehr erfüllen kann.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer wurde als Fliesenleger in einem Meisterbetrieb eingestellt und kann nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr seiner Arbeit nachgehen. In diesem Fall ist eine personenbedingte Kündigung denkbar, da der Arbeitnehmer nicht mehr die vertraglich zugesicherte Arbeitskraft zur Verfügung stellen kann. Das ist aber gerade die Hauptpflicht aus seinem Arbeitsvertrag.

Für eine personenbedingte Kündigung – wie übrigens für die anderen Arten der ordentlichen Kündigung auch – müssen aber noch weitere Voraussetzungen vorliegen. So muss zum Beispiel die Verhältnismäßigkeit geprüft werden. Außerdem darf es kein milderes Mittel als die Kündigung geben.

Daneben sind meist noch weitere Voraussetzungen zu beachten, die Sie am besten mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht durchsprechen. Denn nur ein Fachmann kann Ihnen sagen, ob die Kündigungsgründe für Ihre Kündigung ausreichen oder ob Sie eine Kündigungsschutzklage vor Gericht anstreben sollten.

Gründe für personenbedingte Kündigung

Neben der genannten längerfristigen Krankheit oder gesundheitlichen Beeinträchtigung, gibt es noch weitere Kündigungsgründe, die eine personenbedingte Kündigung rechtfertigen können. Beispielsweise diese:

  • Taxi- oder LKW-Fahrer verliert den Führerschein
  • Arzt oder Apotheker verliert Approbation
  • Fehlende fachliche Eignung
  • Fehlende Arbeitserlaubnis
  • Verbüßung einer Haftstrafe

Die fristlose Kündigung

Die fristlose Kündigung ist die „härteste“ Form der Kündigung. Damit diese Kündigung vor dem Arbeitsgericht Bestand hat, muss sich der Arbeitnehmer einen erheblichen Pflichtverstoß geleistet haben.

Da bei einer fristlosen Kündigung die Kündigungsfrist vom Arbeitgeber nicht eingehalten werden muss, bezeichnet man diese Kündigungsform auch als außerordentliche Kündigung.

Gründe für fristlose Kündigung

Folgende Gründe kommen für eine fristlose Kündigung in Frage:

  • Straftat (in einigen Fällen reicht auch der Verdacht aus)
  • Betrug oder Diebstahl
  • Arbeitszeitbetrug
  • Drogenkonsum
  • Sexuelle Belästigung
  • Eigenmächtiger Urlaubsantritt
  • Geschäftsschädigende Äußerungen

Einige der Kündigungsgründe für eine fristlose Kündigung decken sich mit den Kündigungsgründen für eine verhaltensbedingte Kündigung. Das liegt daran, dass eine fristlose Kündigung in der Regel auf ein erhebliches Fehlverhalten des Arbeitnehmers zurückgeht.

Kündigung erhalten: Was soll ich tun?

Es gibt einige Dinge, die Arbeitnehmer unternehmen sollten, wenn sie eine Kündigung durch den Arbeitgeber erhalten haben. Dazu gehören zum Beispiel:

  1. Kündigungsgrund erfragen: Sollte Ihr Arbeitgeber den Grund für die Kündigung nicht im Kündigungsschreiben genannt haben, fordern Sie ihn dazu auf. Das muss auf Nachfrage nämlich tun. Die Aufforderung kann zum Beispiel so aussehen: „Sehr geehrter Herr Meier, nach Paragraf § 626 abs. 2 Satz 3 des BGB sind Sie dazu verpflichtet, mir den Grund für die Kündigung mitzuteilen. Ich fordere Sie hiermit dazu auf, mir eine entsprechende Begründung schriftlich zukommen zu lassen.“
  2. Unterstützung suchen: Lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten. Arbeitnehmer, die eine Rechtsschutzversicherung besitzen, können das kostengünstig tun. In der Regel deckt die Rechtsschutzversicherung auch die Kosten für eine Verhandlung vor Gericht ab. Arbeitnehmer, die Mitglied einer Gewerkschaft sind, können meist auch hier kostenlose Beratungsangebote wahrnehmen. Arbeitnehmer, die wenig Rücklagen haben, können außerdem Beratungs- und Prozesskostenbeihilfe beantragen.
  3. Klage einreichen: Gemeinsam mit einem Fachanwalt können Sie entscheiden, ob Sie im nächsten Schritt eine Kündigungsschutzklage vor Gericht einreichen möchten. Sollten Sie das tun wollen, müssen Sie schnell sein. Denn die entsprechende Frist läuft 3 Wochen nach Zugang der Kündigung ab. Danach ist die Kündigung automatisch wirksam und nur noch in begründeten Ausnahmefällen anfechtbar.

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