Agile Führung: Der Wandel vom Boss zum Coach

Moderne Führung wird in immer mehr Unternehmen gleichgesetzt mit agiler Führung. Hier erfahren Sie mehr über agile Führungsprinzipien, die Voraussetzungen für agile Führung und warum sie so gewinnbringend für alle Beteiligten sein kann.

Chef setzt auf agile fuehrung und hat meeting mit mitarbeitenden

Agile Führung: Was ist das?

Moderne Mitarbeiterführung heißt in vielen Fällen: agile Führung. Doch was ist agile Führung, auch bekannt als agile Leadership, eigentlich genau? Agile Führung bedeutet, dass Teams weitgehend eigenverantwortlich arbeiten und sich selbst organisieren. Die Führungskraft agiert dabei flexibel und passt sich adaptiv an unterschiedliche Situationen, Herausforderungen und Ziele an.

Der Fokus liegt bei diesem Führungsstil nicht nur auf der Eigenverantwortung der Mitarbeiter, sondern auch auf kontinuierlichem Lernen und fortwährender Anpassung. Dynamische Entscheidungsprozesse können durch agile Führung unterstützt werden.

Damit weist agile Führung wichtige Unterschiede zur traditionellen, hierarchischen Führung auf. Traditionelle Führung geht mit einem Top-down-Ansatz einher. Hierarchien sind klar und meist streng geregelt; Entscheidungen werden in der Regel zentral getroffen. Agile Führung setzt demgegenüber auf Prinzipien, die in mancherlei Hinsicht konträr zur traditionellen hierarchischen Führung sind. Entscheidungen werden typischerweise dezentral und kollaborativ gefällt, statt von oben vorgegeben zu werden. Im Fokus liegt die Anpassungsfähigkeit, während starre Regeln in den Hintergrund treten. Die Mitarbeiter werden bei dieser Art der Führung gecoacht und befähigt, was ihre Rolle stärkt.

Agile Führung spielt in der Arbeitswelt eine immer wichtigere Rolle – und das aus gutem Grund. Trends wie die Digitalisierung und technologische Veränderungen sorgen für einen hohen Anpassungsdruck. Unternehmen müssen schnell und flexibel reagieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Auch Märkte verändern sich oft in rasantem Tempo, was Unsicherheiten mit sich bringen kann. In dieser Situation kommen klassische Führungsmodelle oft schnell an ihre Grenzen, während agile Führung die Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen stärken kann.

Die zentralen agilen Führungsprinzipien

Agile Leadership basiert nicht auf festen Regeln, arbeitet dennoch mit klaren Prinzipien, die Führungskräften und Teams gleichermaßen Orientierung geben. Damit agile Führung den Anforderungen in verschiedenen Situationen und Umständen gerecht wird, braucht es mehr als nur Methoden – gefragt sind zentrale Werte, die sich in elementaren Führungsprinzipien widerspiegeln.

Servant Leadership

Bei der agilen Führung versteht sich die Führungskraft nicht als Kontrolleur, sondern als Unterstützer der Mitarbeiter. Servant Leadership bedeutet, dass Vorgesetzte eine Art Dienerrolle einnehmen: Sie kümmern sich um die Bedürfnisse der Beschäftigten und sorgen so dafür, dass diese ihre Arbeit effektiv erledigen können. Führungskräfte stellen Arbeitskräften dazu Ressourcen bereit, bieten ihre Unterstützung an und helfen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Empowerment und Vertrauen

Bei agiler Führung geht es darum, Mitarbeitern Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum zu geben – Stichwort Empowerment. Führungskräfte bringen den Beschäftigten das nötige Vertrauen entgegen, statt jeden kleinen Arbeitsschritt zu kontrollieren. Das sorgt bei den Mitarbeitern meist für eine höhere Motivation und ein größeres Engagement, außerdem stärkt es die Innovationsfähigkeit.

Iterative Prozesse und kontinuierliche Verbesserung

Ein wichtiger Bestandteil der agilen Führungsprinzipien ist der Fokus auf iterative Prozesse. Die Arbeit wird in kleinen Schritten erledigt, zwischendurch wird Bilanz gezogen. Die Erkenntnisse aus dieser Reflexion helfen, Fehler ebenso zu erkennen wie Verbesserungspotenzial. Fehler werden dabei nicht als Makel, sondern als Lernchance betrachtet. Im Vordergrund steht die kontinuierliche Verbesserung, statt den Anspruch zu haben, dass alles von Anfang an optimal angegangen wird.

Transparenz und offene Kommunikation

Zu agiler Führung gehört auch eine möglichst große Transparenz im Umgang mit Informationen. Eine klare, offene Kommunikation sorgt für Orientierung und stärkt das Vertrauen von Mitarbeitern in ihre Vorgesetzten. Zugleich hilft sie, Wissen und Erfahrungen zu teilen. Das ist eine wichtige Grundlage für eine effektive Zusammenarbeit und gute Entscheidungen.

Agile Leadership: Die Rolle von Führungskräften

Bei der Umsetzung von Agile Leadership im Berufsalltag kommt es auf Vorgesetzte an. Chefinnen und Chefs sind es, die ihre Rolle im Sinne einer agilen Führung neu denken müssen. Statt Anweisungen zu geben und zu erwarten, dass die Mitarbeiter diese stur befolgen, verschiebt sich der Fokus: Er liegt bei einer agilen Führung auf der Unterstützung und Förderung des Teams. Agile Führungskräfte übernehmen dabei häufig wechselnde Rollen – so, wie es jeweils zur Situation passt.

Eine wichtige Rolle von Führungskräften ist die des Coachs und Mentors. Zentral ist dabei das Ziel, Mitarbeiter in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern. Durch Impulse, Feedback oder gezielte Anreize können Führungskräfte helfen, das Potenzial von Arbeitskräften freizusetzen und sie in ihrem eigenverantwortlichen Handeln zu bestärken.

Agile Führungskräfte sind außerdem Facilitatoren. Ein Facilitator befähigt das Team dazu, selbstständig Lösungen zu finden. Vorgesetzte geben dabei lediglich den Rahmen vor, in dem die Mitarbeiter selbstständig Lösungen erarbeiten können. Ihre Aufgabe ist dabei auch, Hindernisse zu beseitigen und für optimale Arbeitsbedingungen zu sorgen. Wenn die Mitarbeiter ein Umfeld haben, in dem sie kreativ und innovativ an ihre Aufgaben herangehen können, sind sie produktiver und motivierter.

Bei einer agilen Führung sind Führungskräfte nicht zuletzt Visionäre. Sie kommunizieren die übergeordneten Ziele und das Leitbild des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern in einer verständlichen und praxisnahen Herangehensweise. Damit sorgen sie für Orientierung, können aber auch zu mehr Sinnhaftigkeit im Job beitragen. Das Team weiß eher, wofür es sich einsetzt und wie sein Einsatz zum Unternehmenserfolg beiträgt.

Wie agile Führung die Unternehmenskultur verändert

Agile Führung hat nicht nur Einfluss darauf, wie engagiert und motiviert die Mitarbeiter sind und wie es um das Verhältnis zwischen Arbeitskräften und ihren Vorgesetzten steht. Agile Leadership wirkt sich auch auf die Unternehmenskultur als Ganzes aus – und das auf verschiedene Art und Weise.

Ein wichtiger Aspekt ist die Förderung der Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Sie werden dazu ermutigt und bestärkt, sich selbst zu organisieren, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung in ihrem Tätigkeitsbereich zu übernehmen. Das wirkt sich häufig positiv auf die Motivation und Zufriedenheit von Beschäftigten aus. Es hilft Teams außerdem dabei, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Indem Führungskräfte einen Rahmen schaffen, in dem sich die Mitarbeiter einbringen und eigenverantwortlich arbeiten können, leben sie eine partizipative Führung auf Augenhöhe. Das kann zu einer guten Stimmung im Team beitragen, was wiederum positive Auswirkungen auf das Betriebsklima allgemein hat.

Agile Leadership kann das Wirgefühl stärken

Zugleich hilft agile Führung dabei, eine Kultur zu schaffen, in der Fehler nicht als etwas rein Negatives gesehen werden. Fehler sind dann nicht mehr ein Anzeichen für Scheitern oder vertane Zeit, sondern eine Grundlage für Lernen und Verbesserung. Eine solche Haltung geht mit einer offenen Feedbackkultur einher, die sich durch Transparenz, Wertschätzung und regelmäßige Reflexion auszeichnet. Mitarbeiter trauen sich dann eher, neue Ideen zu verfolgen und Ansätze auszuprobieren, was die Innovationskraft stärkt.

Agile Führungsprinzipien können darüber hinaus die Zusammenarbeit in Teams stärken. Anstatt mit klar abgegrenzten Abteilungen zu arbeiten, die weitgehend für sich funktionieren, setzt Agile Leadership bewusst auf interdisziplinäre Teams. Hier kommen Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen zusammen, was die Teamarbeit bereichern kann.

In interdisziplinären Teams entstehen oft besonders gute Ideen, außerdem kann die Fähigkeit der Gruppe gestärkt sein, auch komplexe Herausforderungen zu lösen. Nicht zuletzt ist so eine Situation förderlich für das Wirgefühl und den Zusammenhalt auch über verschiedene Team- und Abteilungsgrenzen hinweg, was sich ebenfalls in der Unternehmenskultur widerspiegeln kann.

Agile Leadership: Fallstricke & Herausforderungen

Agile Führungsprinzipien können viele Vorteile für Unternehmen haben und auch eine Bereicherung für Arbeitskräfte sein. Dennoch birgt die agile Führung auch einige Risiken und kann Herausforderungen und Fallstricke mit sich bringen.

Die Abkehr von traditionellen Führungsmodellen sorgt für einen tiefgreifenden Wandel, der sich auf die Organisation und Abläufe vor Ort ebenso auswirkt wie auf die Unternehmenskultur – was mitunter für Reibungen und Konflikte sorgt.

Eine der größten Hürden bei der Umsetzung einer agilen Führung ist Widerstand von Arbeitskräften, aber auch Widerstand im Management. Mitarbeiter auf allen Ebenen können einen inneren Widerstand gegen Veränderungen haben, wenn sie diese als nicht notwendig oder sinnvoll, vielleicht sogar als bedrohlich empfinden. Beschäftigte, die nur klassische Hierarchien kennen, fühlen sich in klaren Strukturen oft sicherer. Zugleich erfordert die agile Führung neue Schwerpunkte, zum Beispiel einen verstärkten Fokus auf Eigeninitiative und Flexibilität – dafür fühlt sich nicht jeder gewappnet.

Wenn Mitarbeiter nicht mitziehen, ist der Nutzen von agilen Führungsprinzipien häufig begrenzt. Dabei ist es sowohl problematisch, wenn Mitarbeiter auf unteren Ebenen agile Führung ablehnen, als auch, wenn Vorgesetzte ein Problem damit haben. Beides gefährdet die Produktivität, kann die Zufriedenheit von Beschäftigten mindern und sich negativ auf die Stimmung in Teams auswirken.

Führungskräfte müssen lernen, Kontrolle abzugeben

Führungskräfte, die agile Führung ablehnen oder zumindest nicht voll befürworten, haben häufig Schwierigkeiten damit, loszulassen und Aufgaben abzugeben. Vorgesetzte, die es gewohnt sind, Entscheidungen zu treffen und Abläufe engmaschig zu steuern und zu überwachen, müssen sich neu orientieren, wenn sie agile Führungsprinzipien umsetzen sollen. Arbeitskräfte müssen wiederum lernen, ihre neue Verantwortung anzunehmen und ihr gerecht zu werden, indem sie sich einbringen und mitdenken.

Für Führungskräfte besteht die Herausforderung bei agiler Führung darin, die richtige Balance zwischen Führung und Freiheit für die Mitarbeiter zu finden. Beides ist schädlich – zu viel Kontrolle bremst die Mitarbeiter aus, zu viel Freiheit kann schnell zu einem Mangel an Orientierung führen, durch den die Beschäftigten ineffizienter arbeiten. Somit ist Fingerspitzengefühl gefragt: Führungskräfte müssen klare Vorgaben machen und die Rahmenbedingungen abstecken, aber Mitarbeitern gleichzeitig Vertrauen entgegenbringen und ihnen den nötigen Raum lassen, um sich zu entfalten.

Agile Führung in der Praxis: Methoden & Techniken

Welche Wirkung agile Führung entfaltet, hängt davon ab, wie sie im Berufsalltag gelebt wird. Dazu kommt es auf geeignete agile Methoden und Techniken an, die die Arbeit von Beschäftigten strukturieren und Teams Orientierung bieten können. Mit den richtigen Ansätzen ist es möglich, die Grundlage für produktives Arbeiten zu schaffen und die Zusammenarbeit im Team zu erleichtern.

Ein wichtiges Instrument sind Daily Stand-ups. Die kurzen Meetings finden jeden Tag statt und werden zur schnellen Koordination und Absprache im Team eingesetzt. Dabei berichtet jeder Teilnehmer kurz, wie der aktuelle Stand bei bestimmten Aufgaben ist. So weiß jeder, was der andere macht, und das Team behält seine Fortschritte als Gruppe im Blick. Mögliche Hindernisse fallen so oft früher auf und es ist häufig möglich, die Arbeit effizienter zu gestalten.

Ebenfalls nützlich sind Retrospektiven. Indem Aufgaben, Projekte und Tätigkeiten regelmäßig im Team reflektiert werden, fällt eher auf, was gut funktioniert und was weniger. Wichtig dabei ist eine offene Feedbackkultur, in der jeder ohne Angst vor negativen Konsequenzen eine ehrliche Rückmeldung geben kann. So können die Beteiligten voneinander lernen und sich kontinuierlich verbessern.

Apropos Feedbackkultur: Wie in einem Unternehmen Feedback gegeben und angenommen wird, wirkt sich auf die Effekte einer agilen Führung aus. Agile Führung lebt von Transparenz und einem ehrlichen Austausch. Durch Ansätze wie 360-Grad-Feedback oder offene Feedbackrunden können sich die Beteiligten untereinander Rückmeldungen geben – nicht nur von oben nach unten, sondern auch gegenüber dem oder der Vorgesetzten. Richtig eingesetzt, kann Feedback zu guten Beziehungen und gegenseitigem Vertrauen beitragen, aber auch zum persönlichen Wachstum.

Den Erfolg von agiler Führung messen: Kriterien & Möglichkeiten

Agile Führungsprinzipien werden in immer mehr Unternehmen genutzt, um Mitarbeiter effektiv zu führen. Ein Selbstläufer sind sie jedoch nicht: Entscheidend ist, Methoden und Instrumente zu nutzen, die den gewünschten Effekt haben. Um das zu überprüfen, sollte der Erfolg von agiler Führung regelmäßig gezielt gemessen werden.

Um den Erfolg von Agile Leadership zu messen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Option sind quantitative Kriterien wie etwa Effizienzsteigerungen oder die Innovationsrate. Darüber hinaus sollten jedoch auch qualitative Aspekte zur Beurteilung der agilen Führung herangezogen werden. Dazu gehört zum Beispiel die Mitarbeiterzufriedenheit: Zufriedene Mitarbeiter sind eher motiviert und engagiert. Mit ihrem Einsatz legen sie den Grundstein für den Geschäftserfolg von Unternehmen.

Geht es um Kennzahlen, spielt nicht nur der monetäre Erfolg eine Rolle, der über den Umsatz oder die Produktivität gemessen werden kann. Es kommt auch darauf an, wie es um die Fluktuationsrate und den Teamzusammenhalt steht und in welchem Maße es den Mitarbeitern (und Teams) gelingt, sich zu organisieren. Solche Faktoren offenbaren, ob agile Führung den gewünschten Effekt hat oder ob Verbesserungspotenzial besteht.

Neben regelmäßigen informellen Check-ins lohnt es sich für Verantwortliche, auf Mitarbeiterbefragungen zu setzen, um Feedback zur Führungskultur zu erhalten. Durch ehrliche Rückmeldungen der Mitarbeiter wird deutlich, wo der agile Führungsansatz effektiv ist und wo noch nachgebessert werden sollte. Zugleich sind Führungskräfte gefragt, selbstkritisch zu hinterfragen, welchen Effekt ihr Führungsstil auf die Mitarbeiter hat. Es lohnt sich dabei, auch unterschwellige Kommentare der Beschäftigten ernst zu nehmen und gegebenenfalls nachzufragen, um daraus zu lernen.

Bildnachweis: Dusan Petkovic / Shutterstock.com

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